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| »Mein teurer Freund, ich rat Euch drum Zuerst Collegium Logicum. Da wird der Geist Euch wohl dressiert in spanische Stiefeln eingeschnürt, Dass er bedächtiger so fortan Hinschleiche die Gedankenbahn, Und nicht etwa, die Kreuz und Quer, Irrlichteliere hin und her.« Johann Wolfgang von Goethe |
In diesem Kapitel wird vermittelt:
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| »Moral ein Maulkorb für den Willen, Logik ein Steigriemen für den Geist.« Franz Grillparzer (1791 1872) Österreichischer Schriftsteller |
In der Umgangssprache und im Alltagsdenken wird unter Logik häufig etwas verstanden, was keine Logik ist.
»Gewinnt Hertha morgen gegen Wolfsburg?« |
Hiermit haben Sie ein Beispiel dafür, was Logik nicht ist. (Denn Hertha verliert ja logischerweise ;-) Nein, ob eine Fußballmannschaft gegen eine andere Fußballmannschaft gewinnt, hängt von so vielen Faktoren ab (Güte der Spieler, der Mannschaft, Tagesform, Glück etc.), dass es unmöglich ist, es logisch herzuleiten.
»Wenn die Erde eine Kugel wäre, dann würde doch logischerweise an den Seiten und unten alles herunterfallen!« |
Häufig glauben Menschen, Logik sei, wenn etwas in Übereinstimmung steht mit ihren Vorurteilen oder Wünschen, mit den Auffassungen, die sie mit Selbstverständlichkeit ohne jeden Zweifel für richtig halten. Nein:
Wenn A = B ist und B = C, dann ist auch A = C. Das ist Logik. |
Wenn Anna in der gleichen Hauptschulklasse ist wie Jonas, und Jonas in der gleichen Hauptschulklasse wie Emma, dann ist auch Anna in der gleichen Hauptschulklasse wie Emma. |
Wenn nun jemand behaupten würde, obwohl Anna in der gleichen Hauptschulklasse ist wie Jonas und Jonas in der gleichen Hauptschulklasse wie Emma, Anna doch nicht in der gleichen Hauptschulklasse ist wie Emma, dann wäre das unlogisch, dann wäre das falsch.
Schild am Schuleingang: Es ist den Kindern verboten, ihre Fahrräder auf das Schulgelände mitzunehmen. Die Fahrräder müssen in dem dafür vorgesehenen Bereich auf dem Schulhof abgestellt werden. |
Die Formale Logik ist die Lehre vom ordnungsgemäßen Denken, vom richtigen Schlussfolgern. Die Formale Logik untersucht die Geltung von Aussageketten betreffs ihrer Struktur. Losgelöst vom jeweiligen konkreten Inhalt der Aussagen. |
Logik ist ein Teilgebiet der Philosophie, der Mathematik und der Informatik. In dieser Einführung geht es selbstverständlich um die Logik in der Philosophie.
| »Logik ist die Anatomie des Denkens.« John Locke |
Die Anfänge der Logik liegen wie vieles aus dem Bereich der Philosophie im antiken Griechenland.
Aristoteles hat die Logik (die er selbst »Analytik« nannte von gr. »analysein« = auflösen, zergliedern) als eigene Wissenschaft geschaffen, als Lehre vom richtigen Denken, das Aussageketten unabhängig vom konkreten Inhalt auf ihre formale Richtigkeit untersucht. Deshalb heißt dieses Verfahren »Formale Logik«.
Denken tun wir mit Worten, oder wie man in der Philosophie sagt mit Begriffen. Diese bekommen wir durch (bewusste, aber meist unbewusste) Definitionen.
Eine Definition (von lat. »definitio« = Umgrenzung) hat in der aristotelischen Logik zwei Teile: Einer ordnet den Begriff in eine bestimmte Gruppe von Begriffen ein.
Der Mensch ist ein »Lebewesen«. |
Der andere sagt aus, worin sich der zu definierende Begriff von anderen zur gleichen Gruppe gehörenden Begriffen unterscheidet.
Der Mensch ist ein »vernunftbegabtes« Lebewesen. |
Es gibt Begriffe höherer und geringerer Allgemeinheit:
Kinderfahrrad Fahrrad Fortbewegungsmittel Gegenstand aus Metall materieller Gegenstand Substanz. |
Wählen Sie spontan in der Wohnung oder auf der Straße |
Eine Kategorie (von gr. »kategoria« = Aussage, Eigenschaft, Klasse) ist ein Begriff, der keinen Oberbegriff mehr hat.
Jedes Wort, das ohne Verbindung zu anderen Worten gesagt wird, bezeichnet nach Aristoteles eine der folgenden zehn Kategorien:
| Kategorie | Frage | Beispiel |
| Substanz (Gegenstand) |
Was ist etwas? |
Kind, Hund, Tisch, Fahrrad, Bus. |
| Quantität (Menge) |
Wie viel bzw. groß ist etwas? |
Fünf Stühle, zwei Meter, drei Kilo. |
| Qualität (Beschaffenheit) |
Wie beschaffen ist etwas? |
Klug, fleißig, frech. |
| Relation (Beziehung) |
Welche Beziehung hat etwas zu anderem? |
Doppelt, halb, kleiner. |
| Ort |
Wo ist etwas? |
Schule, Wohnung. |
| Zeitpunkt |
Wann ist etwas? |
Gestern, um 14 Uhr, Übermorgen. |
| Lage |
In welcher Lage ist etwas? |
Sitzt, liegt, geht. |
| Haben |
Was hat etwas? |
Hat Bücher, ist bekleidet. |
| Wirken (aktiv) |
Was tut etwas? |
Liest, spricht. |
| Leiden (passiv) |
Was erleidet etwas? |
Wird gelobt, getadelt, bewundert. |
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Nehmen Sie ein Wörterbuch und schlagen Sie zufällig irgendeine Seite auf. Versuchen Sie, die Worte, die dort stehen, eine der zehn Kategorien zuzuordnen. Bewegen Sie mit geschlossenen Augen den Mauszeiger über einen Text. Versuchen Sie, das Wort, auf dem der Pfeil oder die Einfügemarke steht, eine der zehn Kategorien zuzuordnen. |
Begriffe verknüpfen wir zu Urteilen.
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Das Denken entfaltet sich immer in Schlüssen. Der Schluss ist die Ableitung eines neuen Urteils aus anderen Urteilen.
Der Schluss besteht aus den Voraussetzungen, den Prämissen (von lat. »praemissum« = das Vorausgeschickte) und der Konklusion (von lat. »conclaudere« = zusammenschließen).
Im Mittelpunkt der Schlusslehre steht der Syllogismus (von gr. »syllogismos« = zusammenrechnen): Obersatz, Untersatz, Folgerung.
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»Alle Menschen haben ein Gehirn.« »Alle Deutschen sind Menschen.« »Alle Deutschen haben ein Gehirn.« (In welchem Umfang sie es nutzen, ist eine andere Frage. ;-) |
Wie Sie vielleicht noch aus ihrem Deutsch-Unterricht erinnern, ist das Subjekt der Satzgegenstand (Frage: wer oder was?) und das Prädikat die Hauptaussage eines Satzes (Frage: Was macht oder erleidet das Subjekt?). In der Logik ist das in ihren Anfangsformen auch so.
Lena ist eine Schülerin.
»Lena« = Subjekt,
»ist eine Schülerin« = Prädikat
Ein Syllogismus hat ein syllogistisches Subjekt (S), ein syllogistisches Prädikat (P) und einen Mittelbegriff (M). |
In dem eben als Beispiel angeführten Syllogismus ist (S) grammatisches Subjekt im Untersatz und in der Konklusion (Deutschen), (P) grammatisches Prädikat im Obersatz und in der Konklusion (Gehirn). (M) ist grammatisches Subjekt im Obersatz und grammatisches Prädikat im Untersatz. In der Konklusion fällt (M) raus (Menschen).
| M P S M S P |
Syllogismen können auch andere Formen haben, das heißt (M), (P) und (S) können in anderer Reihenfolge angeordnet sein. |
Bilden Sie eigene Syllogismen nach Art des Beispielsyllogismus.
| (M) | Hund | Rechtecke | Erwachsene | Babys |
| (S) | Dackel | Quadrate | Lehrer | Lukas |
| (P) | bellen | keine Kreise | waren einst Kinder | süß |
Obige Aussagen bilden Kategorische Syllogismen, die aus drei kategorischen Urteilen bestehen.
Kategorische Urteile sind einfache, nicht aus mehreren Urteilen zusammengesetzte Urteile, die eine Aussage machen über die Verbindung von einem Subjekt und einem Prädikat (im grammatischen Sinne).
In der klassischen Logik gibt es nur vier Arten Kategorischer Urteile. Alle einfachen, nicht zusammengesetzten Urteile entsprächen einer dieser vier Arten. (Die 4. Spalte ist erst verständlich nach dem Lesen des Abschnitts über moderne symbolische Logik.)
| Art des Kat. Urteils |
Beispiel |
Moderne symbolische Logik |
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| A |
Allgemein bejahend |
Alle Studenten sind faul ;-) |
(∀x) Sx → Fx |
| E |
Allgemein verneinend |
Alle Studenten sind nicht faul. |
(∀x) Sx → ¬Fx |
| I |
Besonders bejahend |
Einige Studenten sind faul. |
(∃x) Sx ∧ Fx |
| O |
Besonders verneinend |
Einige Studenten sind nicht faul. |
(∃x) Sx ∧ ¬Fx |
Traditionell werden diese vier Arten von Urteilen mit den Buchstaben A, E, I und O bezeichnet. Die vier Arten kategorischer Urteile befinden sich untereinander in einem logischen Verhältnis, das man als Logisches Quadrat bezeichnet.
Schlüsse verknüpfen wir zu Beweisen. Ein Beweis ist die logisch unvermeidliche Ableitung eines Satzes aus anderen Sätzen durch fortwährende Schlüsse. Sätze, aus denen wir Beweise herleiten, müssen ihrerseits aber bewiesen sein. (Ansonsten haben wir eine Petitio Principii, von denen es in der Philosophie leider nur so wimmelt. Was das ist, erfahren Sie weiter hinten in diesem Kapitel.) Zum Schluss kommt man zu allgemeinsten Sätzen, die nicht bewiesen werden können.
| »Der Beweis ist ein Götze, vor dem der Mathematiker sich foltert.« Arthur Stanley Eddington (18821944) Britischer Astrophysiker |
Nach Aristoteles verfügen die Menschen mit ihrer Vernunft über die Fähigkeit zur unmittelbaren und irrtumsfreien Erfassung solcher allgemeinen Sätze. Diese sind Bedingung dafür, dass das verstandesmäßige, begriffliche, diskursive Denken überhaupt stattfinden kann, da ihre Richtigkeit aller Beweisführung bereits zu Grunde liegt. Vier solcher Sätze gibt es:
1. Der Satz vom Widerspruch:
Etwas, das ist, kann nicht gleichzeitig und in derselben Hinsicht nicht sein.
Der Text, den Sie gerade lesen, ist ein Teil der von Ihnen unmittelbar erlebten empirischen Welt. Er kann nicht zugleich kein Teil der von Ihnen erlebten Welt sein. |
2. Der Satz der Identität:
A = A. Die Dinge sind mit sich selbst identisch.
Sie sind Sie und Ihre Mutter ist Ihre Mutter. Sie sind nicht Ihre Mutter und Ihre Mutter ist nicht Sie. |
3. Der Satz vom ausgeschlossenen Dritten:
Zwischen Sein und Nichtsein eines bestimmten Sachverhaltes gibt es kein Drittes.
Entweder gibt es den Lieben Gott oder es gibt den Lieben Gott nicht. Es kann ihn nicht zugleich geben und nicht geben. |
4. Der Satz vom zureichenden Grunde:
Alles hat eine Ursache, sonst wäre es nicht.
Sie können ein Buch nur lesen, weil Sie selbst oder jemand anders es Ihnen verschafft hat. Sie können es nur lesen, weil Sie lesen gelernt haben. |
Wie im nächsten Kapitel über die Dialektik noch deutlich wird, ist es in der Wirklichkeit nicht immer so, wie wir es im logischen Denken voraussetzen (müssen)! |
Wie wichtig es ist, auf korrektes logisches Schließen zu achten, möchte ich an zwei Beispielen erläutern.
Ein christlicher Grundsatz lautet:
»Seid der Obrigkeit untertan, denn jede Obrigkeit ist von Gott.«
Meine Großeltern schlossen daraus: »Wenn Gott nicht gewollt hätte, dass Hitler an die Macht kommt, dann wäre er nicht an die Macht gekommen.« Und wenn ich dann fragte: »Ja, und wenn Gott nicht gewollt hätte, dass Hitler Millionen Juden ermorden ließ, dann hätte er das auch nicht gemacht?« Nein! Das geht natürlich nicht. Das ist Gotteslästerung! Dann wäre Gott ja verantwortlich für den Massenmord an den Juden. |
Das hörte sich für mich damals in meiner Kindheit nicht besonders logisch an.
Meine Großeltern glaubten, dass alle Menschen sich nach ihrem Tod vor Gott verantworten müssen. Außerdem sagten sie: »Wir wählen CDU. Das ist eine christliche Partei. Die müssen sich später mal vor Gott rechtfertigen.« |
Wo ist hier der logische Bruch? Bilden Sie einen Syllogismus mit »Mensch« (M), »Politiker« (S) und »müssen sich vor Gott rechtfertigen« (P). (Lösung 2) |
Wer mit mathematischen und logischen Formeln nichts zu tun haben will oder gar einen Horror davor hat, der kann diesen Abschnitt überspringen und weiterlesen bei
Logik als Instrument technischer Wirklichkeitsbeherrschung bzw. -veränderung
Die moderne symbolische Logik werden Sie sich ohne fremde Hilfe wahrscheinlich nicht selbst beibringen können, so wenig wie Algebra oder höhere Mathematik. In dieser Einführung wird die symbolische Logik deshalb nur in ihren Anfängen dargestellt, damit Sie eine Vorstellung davon bekommen, was das ist.
Die moderne Logik, die Mitte des 19. Jahrhunderts entstand, ist eine Weiterentwicklung und Verfeinerung der klassischen Logik. Sie kann komplexe Aussagen und Aussageketten auf ihre logische Gültigkeit untersuchen, die mit der klassischen Logik nicht überprüfbar sind. Die moderne Logik wird mathematische oder symbolische Logik genannt. Auch die Bezeichnung Logistik wird zuweilen verwendet.
Als Begründer der modernen Logik gilt der deutsche Mathematiker und Philosoph Gottlob Frege (18481925).
Die moderne Logik arbeitet mit:
Moderne Logik erinnert an mathematische, algebraische Gleichungen, bloß dass die verwendeten Zeichen andere sind. Um die moderne Logik zu verstehen, müssen Sie die dort verwendeten Symbole bzw. Zeichen erlernen. |
Wörter wie »und«, »oder«, »wenn«, »dann«, »nicht« etc. nennt man in der modernen Logik Junktoren (von lat. »iungere« = verknüpfen, verbinden).
| Negation | ¬p ∼p |
sprich | nicht p |
| Konjunktion | p&q p∧q |
sprich | p und q |
| Disjunktion | p∨q | sprich | p oder q |
| Implikation Konditional |
p⊃q p→q |
sprich | p impliziert q wenn p, dann q |
| Bikonditional | p↔q p≡q |
sprich | p genau dann, wenn q p, wenn und nur wenn q |
Eine Erweiterung der Aussagenlogik ist die Prädikatenlogik.
Prädikatenlogik arbeitet mit Quantoren.
Quantoren (von lat. »quantus« = wie groß), auch Quantifikatoren genannt, ermöglichen es auszusagen, für wie viele Individuen ein Prädikat zutrifft.
Der Allquantor oder Universalquantifikator sagt aus, dass ein Prädikat auf alle Individuen zutrifft.
Symbol ist ein umgedrehtes A ∀
(x) oder (∀x) sprich: »Für jedes x ...«
Alle Menschen sind sterblich. |
Der Existenzquantor oder Existenzialquantifikator sagt aus, dass ein Prädikat auf mindestens ein Individuum zutrifft.
Symbol ist ein umgedrehtes E ∃
(∃x) sprich: »Es gibt mindestens ein x ...«
Es gibt sterbliche Menschen. |
Eine Konstante (von lat. »constare« = zusammenstehen, unverändert bleiben) ist ein Begriff mit genau bestimmter Bedeutung, die sich im Laufe von Überlegungen nicht verändert. Die Konstante ist somit ein Gegenbegriff zur Variablen.
Logische Konstanten bestimmen die logische Struktur von Aussagen und Aussageketten. In der Aussagenlogik sind dies die Junktoren, in der Prädikatenlogik zusätzlich die Quantoren.
Eine Variable (von lat. »variabilis« = veränderlich) ist eine Größe, die unterschiedliche Werte annehmen kann. Eine Variable ist somit ein Gegenbegriff zur Konstanten.
Logische Variablen sind sprachliche Zeichen, für die beliebige Ausdrücke einer bestimmten Art eingesetzt werden können.
Prädikatenvariablen werden traditionell symbolisiert durch Großbuchstaben. Am häufigsten wird begonnen mit »A, B, C, ...«. Aber auch der Anfangsbuchstabe des symbolisierten Wortes wird verwendet. Eine einheitliche Vorgehensweise gibt es nicht.
Wenn Alina in der Englisch-Klausur eine Eins oder eine Zwei schreibt, dann bekommt sie von ihrem Vater fünf Euro. Sie hat eine Zwei geschrieben. Also bekommt sie von ihrem Vater fünf Euro. |
A ∨ B → C, B ∴ C Sprich: »A oder B dann C, B daher C.« |
Individuenvariablen (x, y, z) werden symbolisiert durch kleine Buchstaben vom Ende des Alphabets »x, y, z«.
∀x ∃y |
Aussagenvariablen stehen für Sätze, Urteile etc. und werden meistens symbolisiert durch kleine Buchstaben aus der Mitte des Alphabets »p, q, r, ...«.
An dieser Stelle komme ich noch einmal auf die Kategorischen Urteile zurück und erkläre, was die Formeln in der 4. Spalte bedeuten und wie man sie ausspricht: (Die Variablen sind verändert. die logische Struktur ist die gleiche.)
»Alle Schüler sind fleißig.« »Alle Schüler sind nicht fleißig.« (Keine Schüler sind fleißig.) »Einige Schüler sind fleißig.« »Einige Schüler sind nicht fleißig.« |
Logische Kontradiktionen sind immer falsch:
Es regnet und es regnet nicht.
a ∧ ¬a
Sprich: »a und nicht a.«
Der Satz ist immer falsch.
Logische Tautologien sind Aussagen, die immer wahr sind.
Es regnet oder es regnet nicht.
a ∨ ¬a
Sprich: »a oder nicht a.«
Der Satz ist immer wahr, hat aber auch keinen Erkenntniswert.
Wie Sie im nächsten Kapitel noch sehen werden, stimmt das mit den Tautologien und Kontradiktionen in der dialektischen Logik nicht! |
p ↔ ¬ ¬ p
Sprich: »p genau dann, wenn nicht nicht p.«
In der Mathematik ist minus + minus = plus.
In der Logik heißt das: »Duplex negatio est affirmatio.«
Zu Deutsch: »Doppelte Verneinung ist Bejahung.«
Als ich während meines Philosophiestudiums Logik als Pflichtfach absolvierte, drehte ich den lateinischen Satz um: »Duplex affirmatio est negatio.« Mein Professor wandte natürlich sofort ein, dass man diesen Satz nicht umdrehen dürfe, dass er dann nicht mehr stimme. Aber auf meine Frage, was »Ja, ja!« bedeutet, konnte auch er nur antworten: »Leck mich am A...« In der Stadt Berlin haben wir zurzeit eine wie es genannt wird »rot-rote« Regierungskoalition. Manchmal habe ich den Eindruck, dass das auch nur eine Art »Duplex affirmatio« ist, zum Beispiel wenn die Lehrmittelfreiheit abgeschafft wird. |
Um Ihnen einen kleinen Eindruck davon zu vermitteln, wie kompliziert es im weiteren Verlauf wird, ein kleines Beispiel für einen Sachverhalt, den die klassische Logik nicht behandeln konnte:
Alle Deutschen sind Menschen. Ergo: Alle Hände von Deutschen sind Menschenhände. In der Prädikatenlogik sieht das so aus:
(x)((∃y)(Dy ∧ Hxy) → (∃z)(Mz ∧ Hxz)) |
Dy heißt: y ist ein Deutscher.
Hxy heißt: x ist eine Hand von y.
Mz heißt: z ist ein Mensch.
Ab einer bestimmten Komplexität der Formeln lohnt es sich nicht mehr bzw. ist es auch nur noch sehr schwer möglich, die Formeln in die Umgangssprache zu übersetzen.
Wenn Sie nun abwinken und sagen: »Wozu soll ich das denn überhaupt lernen? Was soll dieses abstrakte Zeug, dieser Formelkram, wenn man ohne Zuhilfenahme der Erfahrung mit ihnen sowieso nichts erkennen kann?«, dann sollten Sie wissen:
Der Computer ist eine logische Maschine! |
Durch aneinandergehängte Schalter, durch Schaltkreise führt der Computer logische Operationen aus. Diese für den Computernutzer unsichtbaren (mikroskopisch kleinen elektronischen) Basisoperationen sind Voraussetzung dafür, dass Sie im Moment gerade diesen Text auf Ihrem Computer-Bildschirm lesen können, dass Sie Computerspiele spielen können, dass Sie auf dem Computer Musikstücke und Videos ablaufen lassen können, dass Sie einen MP3-Player, ein Handy usw. haben.
Der Computer wurde von Menschen erfunden und weiterentwickelt, die sich gut mit moderner symbolischer Logik auskannten! |
Wer im Bereich der Elektronik oder der Informatik also der Hardware oder der Software eine Ausbildung machen will, der wird die symbolische Logik erlernen müssen und zwar in einem viel umfangreicheren Maße als hier angedeutet.
| »Die Logik ist zwar unerschütterlich, aber einem Menschen, der leben will, widersteht sie nicht.« Franz Kafka (18841924) Österreichischer Schriftsteller |
Der Begriff Logik wird in der Philosophie auch in weitergehendem Sinne gebraucht, nicht nur im Sinne der formalen Logik.
Die materiale oder reale Logik Kants beschäftigt sich nicht nur mit dem richtigen Denken im Sinne der formalen Logik , sondern auch mit der Frage des richtigen Erkennens. Kants »Transzendentale Logik« untersucht das Verhältnis von Sein und Denken, von Seiendem und Gedachtem. Logik wird bei Kant zur Untersuchung des menschlichen Erkenntnisvermögens.
Formale wie materiale Logik beschäftigt sich mit den endlichen Dingen. Anders die metaphysische Logik Hegels. Die Wissenschaft der Logik (Titel eines seiner Werke) beschäftigt sich mit dem Unendlichen, mit dem Weltgeist. Sie ist Ontologie. Denken bzw. Vernunft und Sein werden gleichgesetzt. Logik ist die Entwicklung des Begriffs. Hegel vertritt eine dialektische Logik, von der er (und viele seiner Anhänger) annehmen, dass sie der herkömmlichen Logik überlegen sei.
| »Die Logik sind die Gedanken Gottes vor der Schöpfung.« Georg Wilhelm Friedrich Hegel |
Logik der Sache bedeutet alle Gesetze, Prinzipien etc., die für die betreffende Sache wichtig sind. In diesem Sinne spricht Popper von der Logik der Forschung (Titel eines seiner Werke) und Pascal von der »Logik des Herzens«.
Es gibt nicht nur Aussagen und Aussageketten, die unlogisch sind. Auch einzelne Begriffe können in sich unlogisch sein, ohne dass Sie dies auf den ersten Blick bemerken.
Mönche im Mittelalter diskutierten die Frage:
»Kann Gott einen Gegenstand herstellen, |
Kann er einen solchen Gegenstand nicht herstellen, ist er nicht allmächtig. Kann er aber einen solchen Gegenstand herstellen, ist er auch nicht allmächtig, weil er ihn nicht wieder zerstören kann. Egal, wie man diese Frage beantwortet, mit der Allmächtigkeit Gottes ist es vorbei.
Einige Menschen versuchen, dieses Problem so zu lösen, dass sie sagen: »Gottes Allmächtigkeit zeigt sich darin, dass er alles bewirken kann, was möglich ist.« Mit anderen Worten: Es gibt vieles, was selbst ein Gott (sollte es einen geben) nicht bewirken kann: zum Beispiel gegen die Logik zu verstoßen. Und das heißt, selbst wenn es einen Gott geben sollte, gäbe es etwas, das über ihm steht. Bestimmte Ordnungs- und Funktionsweisen des Seins, die seine Allmacht einschränken.
Dass der Begriff der Allmächtigkeit in sich unschlüssig ist, wird religiöse Menschen aber nicht davon anhalten, weiterhin an die Allmächtigkeit Gottes zu glauben.
| »Wenn ich weiß, dass es Gottes Wort ist und Gott also geredet hat, so frage ich danach nicht weiter, wie es könne wahr sein, und lasse mir allein an dem Worte Gottes genügen, es reime sich mit der Vernunft, wie es wolle.« Martin Luther (14831546) Deutscher christlicher Reformator |
Der Begriff »Allmächtigkeit« ist in sich unlogisch. Oder, wie man in der Philosophie sagt, er stellt eine Antinomie dar. (Von gr. »anti« = gegen und »nomoi« = Gesetze.) Eine Antinomie ist eine widersprüchliche Aussage oder es ist ein Widerspruch zwischen zwei Aussagen, die beide Gültigkeit beanspruchen (können).
Ich lüge immer! |
Was stimmt an diesem Satz nicht? (Lösung 3) |
Ich bin nicht eingebildet. Obwohl ich es sein könnte. |
Was stimmt an diesem Satz nicht? (Lösung 4) |
Verwandt mit der Antinomie ist das Paradoxon (von gr. »para« = über, wider, neben und »doxa« = Meinung.) Eigentlich das Unerwartete. Widersprüchlichkeit, scheinbar falsche, in sich widersprüchliche Aussage, die aber eventuell auf eine höhere Wahrheit hinweist. Sie haben weiter vorn im Text schon einige solcher Paradoxa kennen gelernt zum Beispiel das Paradoxon des Empirismus und des Skeptizismus.
Ähnlich dem Paradoxon ist die Paralogie (von gr. »para« = gegen, wider, über und »logie« = Vernunft). Sie ist die Widervernünftigkeit oder Vernunftwidrigkeit. Der Paralogismus ist ein Fehlschluss.
»Lesen Sie nicht diesen Satz!« |
Was ist das Paradoxe an dieser Aufforderung? (Lösung 5) |
Der antike griechische Sophist Gorgias behauptete:
»Es existiert nichts!« |
Was ist das Paradoxe an diesem Satz? (Lösung 6) |
Mit der Antinomie und dem Paradoxon verwandt ist die Aporie (von gr. »aporia« = Weglosigkeit). Der Begriff bedeutet Unentschlossenheit, Unentschiedenheit, Aussichtslosigkeit. Eine philosophische Frage scheint unbeantwortbar zu sein, wegen eines in der Sache selbst liegenden Widerspruchs. So enden die frühen Dialoge Platons alle in der Aporie, da die Fragen, die beantwortet werden sollen (Was ist Tapferkeit, Besonnenheit, Frömmigkeit, Gerechtigkeit u. w.), nicht eindeutig klärbar scheinen. Für Aristoteles besteht eine Aporie, wenn zwei gleichermaßen überzeugende Argumente zwei unvereinbare Folgerungen haben.
Eine klassische Aporie ist die Geschichte vom Schiff des Theseus.
Der antike griechische Held Theseus bringt sein Schiff, mit dem er viele Abenteuer erlebt hat, auf die Werft, wo ein paar Planken durch neue ersetzt werden. Dann befährt Theseus mit dem Schiff wieder die Meere. Bei der nächsten Reparatur werden wieder einige der alten Teile durch neue ersetzt. Wieder geht das Schiff auf Reisen. Nach und nach werden so bei Reparaturen alle alten Teile durch neue ersetzt. Der Werfteigner hat nun alle alten Teile aufgehoben. Eines Tages beschließt er, aus allen alten Teilen ein Schiff zusammenzusetzen. Das gelingt. Nun gibt es zwei Schiffe: 1. Das Schiff, das Theseus benutzt, das nach und nach aus den neuen Teilen entstanden ist. 2. Das Schiff, das aus den alten Originalteilen von Theseus' ursprünglichem Schiff besteht. |
Welches Schiff ist das echte Schiff des Theseus? (Lösung 7) |
Zur Gruppe der widersprüchlichen Begriffe gehört auch das Dilemma (von gr. »di-lemma« = zweiteilige Annahme). Ein Dilemma ist eine Zwangslage, die nur die Wahl zwischen gleichermaßen schlechten Alternativen lässt. Oder es gibt zwei mögliche Lösungen, die sich aber gegenseitig ausschließen.
Muss das Krokodil der Mutter das Kind zurückgeben oder nicht? (Lösung 8) |
Ein Dilemma des menschlichen Wünschens:
Mit der Sprache kann man nicht nur in Denkfallen geraten, man kann auch ganz gezielt andere (oder sogar sich selbst) verwirren.
Eine Contradictio in adjecto ist in Deutsch ein Widerspruch in der Beifügung.
»Hölzernes Eisen«, »Aufrichtige Lüge«, »Seriöser Astrologe« Politiker sprechen vom »Minuswachstum«, um das Wort Rückgang zu vermeiden. Genauso könnten sie Wachstum »Plusrückgang« nennen. |
Ich könnte die etwas boshafte Frage stellen, ob die Formulierung »ehrlicher Politiker« nicht bereits eine Contradictio in adjecto darstellt.
Es gibt Menschen, die hatten in ihrer Kindheit zwei Berufswünsche: Schauspieler oder Gangster. Und die werden dann später Politiker. |
Allerdings könnten Politiker zur Entschuldigung anführen:
Menschen wollen belogen sein.
Mundus vult decipi. |
Wussten schon die alten Römer. Die Welt will betrogen sein.
»Die Wahrheit hat ein schönes Angesicht, |
Was soll dieses Sprichwort ausdrücken? (Lösung 9) |
| »Tell me lies, tell me sweet little lies!« (Moderner Schlager) |
(Erzähle mir Lügen. Erzähle mir süße kleine Lügen!)
Schon Voltaire wusste:
| Alles, was zu dumm ist, um gesprochen zu werden, das wird gesungen. |
»Du bist das schönste Mädchen der Welt!« Das will sie von ihrem Freund hören. »Du bist das fünftschönste Mädchen der Welt?« (Das wäre ja auch nicht schlecht bei Hunderten Millionen von Mädchen.) »Vor dir kommen nur Laura, Marie, Charlotte und Paula?« Dann kriegt er eine gescheuert.
Eine geplante Müllkippe wird von ihren Betreibern »Entsorgungspark« genannt, um sie den Anwohnern besser verkaufen zu können. Einen Park wollten die doch schon lange. Die Strompreise werden nicht etwa schon wieder erhöht, nein, sie werden »angepasst«. (An was eigentlich? An die Geldgier der Strombosse?) Unternehmen sprechen von »Freisetzung«, wenn sie Mitarbeiter entlassen. Frei sein, ist doch eine tolle Sache! Von ALG II leben weniger. |
Bei Begriffen wie Freisetzung oder Entsorgungspark spricht man von Euphemismen (von gr. »eu« = Freude, »euphemi« = schönreden). Ein Euphemismus ist eine Schönfärberei.
»Friendly fire«, zu Deutsch »freundliches Feuer«, bedeutet, dass man in Kämpfen von den eigenen Leuten beschossen wird. Und wenn einer dabei draufgeht? Halb so wild. Waren ja die eigenen Kameraden, die einen erschossen haben. Außerdem wird ein Soldat ja nicht getötet, schon gar nicht ermordet, zerfetzt oder abgeschlachtet. Auch dann nicht, wenn man beim Anblick der Leiche bzw. der Leichenteile genau das vermuten würde. Ein solcher Soldat ist »gefallen«. Das passiert doch jedem mal, das man mal fällt. (Es gibt auch gefallene Mädchen ;-)
Es kommt auch vor, dass man das, was man für wahr hält, falsch formuliert. Man weiß zwar selbst, was gemeint ist, bei dem anderen kommt es aber falsch an.
»Um das aufzutischen, müssen sie sich einen Blöderen suchen als mich. Aber den werden sie kaum finden.« »Lachen sie etwa über mich? Ich wüsste nicht, was es hier sonst Lächerliches geben sollte.« |
| »Sich über die Philosophie lustig machen, das heißt in Wahrheit philosophieren.« Blaise Pascal |
Es wird etwas als Erkenntnis angesehen oder ausgegeben, was keine ist.
Eine Tautologie (von gr. »tautologia« = dasselbe sagen) erklärt nichts, sondern gibt einen Sachverhalt doppelt wieder und hat somit keinen Erkenntniswert.
Runder Kreis, eckiges Quadrat, alter Greis |
Sehr ähnlich der Tautologie ist der Pleonasmus (von = gr. »pleonasmos« = Überfluss, Übermaß), der sinngleiche oder sinnähnliche Wörter häuft.
Brennendes Feuer, kaltes Eis, »wahre Wirklichkeit«, |
Der Begriff Pleonasmus wird häufig synonym mit Tautologie verwendet. Ob Pleonasmen Erkenntnisse sind oder nur Wiederholungen, ist umstritten. Pleonasmen sind aber häufig gebrauchte Stilmittel in der Literatur.
In der Philosophie leider oft anzutreffen ist die Petitio Principii (von lat. »petitio« = Bitte, Forderung und »principia« = Anfang, Grundlage). Eigentlich »die Bitte, es zu beweisen«. Ein Beweisfehler: Man benutzt als Beweis etwas, das selbst erst zu beweisen wäre. Oft sind diese Beweisfehler in einem längeren Text verborgen und man muss einige Denkarbeit leisten, um sie aufzudecken. Oft merken die Philosophen es gar nicht, dass in ihren Texten diese Beweisfehler vorhanden sind.
| »Oft ist das Denken schwer, indes das Schreiben geht auch ohne es.« Wilhelm Busch |
Platon sagt, Wissen an sich sei nicht per se (lat. durch sich, von selbst, von vornherein) gut, weil auch der Lügner und der Dieb Wissen habe. Bei dieser Argumentation hat Platon bereits eine Ethik, gemessen an der Lügner und Diebe böse sind. Dass Sklaven ihr Leben lang unfrei und ohne Bezahlung für das Wohlergehen der Sklavenhalter arbeiten, während diese dann Zeit haben, zu philosophieren, ist für Platon nicht böse. |
Ein Spezialfall der Petitio Principii ist der Circulus vitiosus, lat. eigentlich »fehlerhafter Kreis«. Ein Beweisfehler, bei dem eine Behauptung (bzw. Teile von ihr meist versteckt) zu ihrem eigenen Beweis angeführt werden.
Anna sagt: »Morgen fällt die Schule aus.« Das wisse sie sicher. Emma habe ihr das gesagt. Woher weiß Emma das? Von Josefine. Woher weiß Josefine es? Von Anna. |
Die Bibel wird als Beweis für die Existenz Gottes angegeben. Die Glaubwürdigkeit der Bibel aber daraus, dass sie Gottes Wort enthält. |
Ein weiterer Beweisfehler bzw. Zirkelschluss ist Idem per idem (lat. dasselbe durch dasselbe). Ein Gegenstand wird (häufig verdeckt) durch sich selbst definiert.
Frage: Was ist ein Hund? Frage: Was ist ein Apfel? |
Falsche Schlussfolgerungen können dadurch entstehen, dass Menschen etwas, das zusammen auftritt, gedanklich miteinander verbinden, obwohl es nichts miteinander zu tun hat. Cum hoc, ergo propter hoc (lat.: Es tritt zusammen auf, also hat es etwas miteinander zu tun). Post hoc, ergo propter hoc (lat.: Das eine folgt dem anderen, also ist das eine durch das andere bedingt).
Da hat jemand in seiner Küche mehrere Kartons voll Bananen. Alle paar Minuten pellt er eine ab und wirft sie anschließend aus dem Fenster. Auf die Frage, warum es dies tut, antwortet er: »Das ist gut gegen Elefanten.« Auf den Einwand: »Aber es gibt hier doch gar keine Elefanten«, antwortet er: »Ja, sehen Sie, es wirkt.« Cum hoc, ergo propter hoc. |
Offensichtlich ist diese Geschichte ein Witz. Aber es gibt Verhaltensweisen, die im Prinzip nichts anderes sind, bei denen viele Menschen aber mit Vehemenz zurückweisen werden, dass es sich um einen Witz handelt.
»Uns geht es gut, weil wir regelmäßig beten.« |
Nun gibt es auch Leute, denen es gut geht, obwohl sie nicht regelmäßig beten, und es gibt Leute, denen es schlecht geht, obwohl sie regelmäßig beten. Dieses Faktum wird aber überzeugte Anhänger einer bestimmten Religion nicht davon abhalten, weiterhin zu beten.
Wenn sich jemand mit einer Person unterhält, die nicht existiert bzw. nicht anwesend ist, dann bezeichnet man einen solchen Menschen als »verrückt«. Nennt er diese Person aber »Gott«, dann ist er nicht mehr »verrückt«, dann ist er »religiös«. |
Sie müssten etwas unterlassen, um herauszufinden, ob dann auch etwas anderes nicht mehr stattfindet. Aber selbst, wenn Sie das täten, gäbe es keine Sicherheit. Unser Leben ist so vielfältig, dass wir selten (streng genommen nie) mit Sicherheit einen Tatbestand auf einen anderen zurückführen können.
Ein ähnlicher Fehlschluss:
Mein Großvater hat auch geraucht und der ist über achtzig Dieses Argument ist so schlüssig wie folgendes: Mein Großvater hat den 2. Weltkrieg überlebt. |
Treffendere Daten gewinnen Sie, wenn Sie die Lebenserwartung aller Raucher und aller Nichtraucher miteinander vergleichen. Es ist statistisch nachweisbar, dass Raucher ein 17-mal höheres Risiko haben, Lungenkrebs zu bekommen, als Nichtraucher.
Falsche Schlussfolgerungen können entstehen, indem man einen wahren Tatbestand feststellt, aber andere wichtige Tatbestände außer Acht lässt:
Es sterben mehr Menschen im Bett als auf der Autobahn. Ergo: Auf der Autobahn ist es sicherer als im Bett. |
Der Trugschluss ist schnell erkennbar. Sterbenskranke Menschen liegen für gewöhnlich im Bett und sitzen nicht im Auto. Es gibt andere Beispiele, wo der Trugschluss nicht so leicht erkennbar ist.
Kinder von Akademikern und finanziell gut gestellten Leuten sind häufiger auf dem Gymnasium als Kinder von Arbeitern. Ergo: Arbeiterkinder sind häufig dümmer als andere Kinder. Unter Jugendlichen ausländischer Abstammung gibt es einen höheren Prozentsatz von Straftätern, als unter Jugendlichen deutscher Abstammung. Ergo: Deutsche sind in der Regel anständiger als Ausländer. |
Was hierbei übersehen wird, ist, dass Kinder aus Arbeiterfamilien und Kinder ausländischer Abstammung häufiger unter sozial ungünstigeren Verhältnissen aufwachsen als Kinder aus gebildeten oder finanziell gut gestellten Familien.
Warum sollte das Kind eines Milliardärs eine Bank überfallen?
Kleine Verbrecher gehen im Gefängnis ein. |
Oder um mit Bertolt Brecht zu fragen:
| Was ist schon der Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank? |
Weiter hinten im Kapitel über die Willensfreiheit komme ich noch einmal darauf zurück.
Wie unser Denken uns täuschen kann, lässt sich auch an diversen mathematischen Beispielen erläutern, von denen ich hier zwei anführe.
Eine Wochenendausgabe einer Tageszeitung hat in etwa die Dicke von einem Zentimeter. Wenn Sie sie falten, eine Dicke von zwei Zentimetern. |
Wenn Sie die Zeitung nun zehnmal übereinander falten würden, wie dick wäre sie dann? Ganz spontan schätzen und erst dann ausrechnen. (Lösung 10) |
Machen wir folgendes Gedankenspiel: Einer Ihrer Vorfahren hat im Jahre Eins unserer Zeitrechnung einen Cent zur Bank gebracht, dieser wurde mit vier Prozent verzinst und der Betrag mit Zins und Zinseszins wäre über Generationen hinweg vererbt, jetzt bei Ihnen angekommen. |
Da die Währungen im Laufe der Zeit gewechselt haben, schätzen Sie, wie viel Gold Sie heute besitzen würden. (Lösung 11) |
Man kann auch Wortverbindungen und Sätze formen, die wörtlich genommen falsch, aber dennoch erkenntnisfördernd sind.
Eine Metapher (von gr. »metaphora« = Übertragung) ist die symbolhafte Übertragung eines Wortes oder einer Wortgruppe in einen anderen Zusammenhang.
»Das Haupt der Familie«, »Der Zahn der Zeit«, |
Metaphern sind wörtlich genommen falsch, erklären aber trotzdem etwas.
Etwas metaphorisch auszudrücken, bedeutet, es sinnbildlich, im übertragenen Sinne darzustellen, zum Beispiel in Metaphern. Hier besteht eine Ähnlichkeit zur Allegorie.
»Stark wie ein Ochse«, »Blind wie ein Maulwurf« |
Während meiner Studentenzeit habe ich des Öfteren auf dem Bau gejobbt. Einmal hatten wir einen sehr grantigen Vorarbeiter, der die studentischen Hilfskräfte ständig anschrie. Über den sagten wir: »Der hat die Lautstärke und die Intelligenz eines Presslufthammers.« |
Eine spezifische Form des Paradoxons und das Gegenteil einer Tautologie ist das Oxymoron (von gr. »oxis« = scharf und »moros« = dumm). Es werden zwei sich gegenseitig ausschließende Begriffe zusammengebracht.
Rundes Quadrat, eckiger Kreis, wüster Wald, buntes Schwarz, humaner Folterknecht, ehrlicher Steuerhinterzieher, gesundheitsbewusster Raucher. |
Oxymora werden aber auch als bewusstes Stilmittel genutzt.
Ein stummer Schrei. Ein offenes Geheimnis. Hassliebe. |
Sind das Oxymora oder Metaphern? Der Übergang vom Oxymoron zur Metapher ist fließend. Diese beiden Dinge sind zwar in der Regel klar abgrenzbar, aber es gibt Zwischenstufen.
Es gibt Oxymora, die sind in den Sprachgebrauch eingegangen und so gut wie keiner stört sich mehr daran.
»Unkosten« und »Unmenge« |
Lösung 1: Der Schulhof ist ein Teil des Schulgeländes. Zurück zum Text
Lösung 2: Sollten sich alle Menschen nach ihrem Tode vor Gott rechtfertigen müssen, dann auch alle Politiker. Nicht nur die Politiker einer Partei. Zurück zum Text
Lösung 3: Wenn ich immer lüge, ist auch dieser Satz entweder eine Lüge oder ein Verstoß gegen seine Aussage. Mit diesem Satz habe ich entweder zumindestens einmal die Wahrheit gesagt oder es stimmt überhaupt nicht, dass ich immer lüge. Zurück zum Text
Lösung 4: Ist wohl offensichtlich. Wenn jemand glaubt, Grund zu haben, eingebildet zu sein, ist er bereits eingebildet. Einstein und Russell um nur zwei mögliche Genies des 20. Jahrhunderts zu nennen waren jedenfalls nicht eingebildet. Zurück zum Text
Lösung 5: Sie können die Aufforderung nicht erfahren, ohne gegen sie zu verstoßen. Zurück zum Text
Lösung 6: In dem Moment, wo dieser Satz gedacht, gesprochen oder gelesen wird, gibt es zumindest diesen Satz. Damit existiert etwas und die Aussage des Satzes ist falsch. Zurück zum Text
Lösung 7: Eine eindeutig richtige Antwort darauf, welches das Schiff des Theseus ist, scheint nicht zu bestehen. Es gibt mindestens fünf Möglichkeiten, die Frage zu beantworten.
Lösung 8: Krokodilschluss: Es gibt keine allein gültige Antwort. Das Dilemma kommt folgendermaßen zustande: Dass es zwischen der Vorhersage der Mutter und dem folgenden Handeln des Krokodils Übereinstimmung gibt, hängt ab von der an dem Handeln geknüpften Folge. Die Folge wird aber wiederum abhängig gemacht von der Übereinstimmung. Es handelt sich um einen paradoxen Zirkel, der verwandt ist mit dem Circulus vitiosus. Zurück zum Text
Lösung 9: Wahrheit zahlt sich in der Regel nicht aus. Mit Lügen und Schmeicheleien kommt man im Leben häufig besser zurecht. Wer die Suche nach Wahrheit und deren Verbreitung zu seinem Lebensinhalt macht, darf keine großen materiellen Ansprüche haben. Oder man hält sich zuweilen an das Motto des deutschen humoristischen Dichters und Zeichners Wilhelm Busch (18321908): »Der Beste muss mitunter lügen. Zuweilen tut er's mit Vergnügen.« Zurück zum Text
Lösung 10: Die Zeitung wäre über zehn Meter dick. Genau 10 Meter und 24 Zentimeter. Nach zwanzigmaligem Übereinanderfalten wäre sie über 10.000 Meter dick. Zurück zum Text
Lösung 11: Sie besäßen einen Goldklumpen ungefähr in der Größe der Sonne. (Ach, doch so wenig!) Und zwar nicht in der Größe, wie Sie die Sonne sehen, sondern wie sie tatsächlich ist, ca. 300.000-mal die Größe der Erde. Bei vier Prozent Zins verdoppelt sich der Betrag in 18 Jahren. Nach 2000 Jahren das sind ca. 80 Generationen hätte er sich bereits 111-mal verdoppelt. Wer gut in Mathe ist, kann sich jetzt ausrechnen, wie viele Jahre das Geld noch liegen bleiben muss, damit einer der Nachfahren einen Goldklumpen mit dem Durchmesser unserer Milchstraße besitzt. Das geht schneller, als Sie glauben. Zurück zum Text