Die folgenden drei Philosophen (
Hamann,
Jacobi und
Herder) werden auch Glaubensphilosophen genannt, weil sie vom Glauben ausgehen.
Sprache: Mitte des 18. Jahrhundert begann ein gewaltiger Aufschwung von Sprach-wissenschaft und Sprachgeschichte. Die Glaubensphilosophen waren Vertreter dieser neuen Richtung.
Johann Georg Hamann (1730 - 1788) wurde der "Magnus des Nordens" genannt. Er war der Mystiker unter den Glaubensphilosophen. Goethe schätzte ihn sehr.
Gegen Überbewertung der Vernunft: Hamann ist einer der Wortführer des beginnenden Kampfes gegen Rationalismus und Aufklärung. Er wirft Kant vor, nicht über den Rationalismus hinausgelangt zu sein.
Sprache: Unsere Philosophie bestehe mehr aus Sprache als aus Vernunft. Das Rätsel, daß die Geschichte darstelle, sei nicht mit der Vernunft, sondern mit der Sprache aufzulösen. Hamann sieht in der Sprache das Verbindungsmittel zwischen
Idealismus und
Realismus.
Christentum: Das Christentum sei eine Religion der Geheimnisse, die beweisen zu wollen, ebenso töricht sei, wie sie zu leugnen.
Friedrich Heinrich Jacobi (1743 - 1819). Deutscher Philosoph und Schriftsteller. Vertrat eine christliche Gefühlsphilosophie und beeinflußte die Romantiker
Zu Kant und Sprache: "Und es fehlte nur noch an einer Kritik der Sprache, die eine Metakritik der Vernunft sein würde, um uns alle über Metaphysik eines Sinnes werden zu lassen."
Kritisierte das kantische
"Ding an sich". Ohne dessen Annahme komme man nicht in die kantische Philosophie hinein, aber mit dessen Annahme können man nicht in ihr bleiben.
Fichte hat sich stark an Jacobi angelehnt.
Schriften:
Johann Gottfried Herder (1744 - 1803). Deutscher Philosoph, Dichter, Theologe und Sprachforscher. Begründer der deutschen Geschichtsphilosophie und der Slavistik. Benutzte als erster Begriffe wie "Muttersprache" und "Volkslied".
Jedes Zeitalter und jedes Volk trage seinen Zweck in sich selbst. (Gegensatz zu
Hegel) Andererseits sieht er in der "Humanität" das Endziel des Menschen und seiner Geschichte.
Herder übersetzte die Volkspoesie der Griechen, Römer, Orientalen und der Europäer. Seine Arbeiten hatten für das erwachende Nationalgefühl der osteuropäischen Völker eine kaum zu überschätzende Bedeutung.
Kant: Herder greift den kantischen Dualismus zwischen Sinnlichkeit und Verstand, zwischen Pflicht und Neigung, zwischen Inhalt und Form des Denkens an. Ebenso kritisiert er, daß bei Kant die theoretische Vernunft die Idee Gottes als unbeweisbare Annahme darstellt und die praktische Vernunft diesen Gott dann wieder als eine Gewißheit einführt. Dies sei ein "Gaukelspiel der Vernunft", durch das man weder zu wahrer Moral noch zu wahrer Überzeugung kommen könne. [Sehe ich exakt genauso.]
Sprache: Herder fordert eine Philosophie, die sich eng an die Sprache und ihren Formen anlehnt.
Die Bedeutung der Sprache will ich gar nicht geringschätzen, denn wenn wir denken bzw. philosophieren, dann machen wir dies mit Worten und Grammatik. Allerdings sehe ich es so, daß die Dinge oder Beziehungen unabhängig und vor den Worten existieren. Auch Gesetze der Mathematik, der Logik und der Dialektik bestehen unabhängig von der Sprache. Ich halte deshalb nichts davon, die Sprache als das aller Wichtigste, als das Ausschlaggebende anzusehen. Die Sprache ist ein sehr wichtiger Bestanteil des Philo-sophierens. Nicht weniger und nicht mehr. Z. B. das Rätsel meiner Existenz, daß ich überhaupt existiere, daß überhaupt etwas existiert, läßt sich mit Sprache nicht auflösen.
|
"Ein Philosoph, der sich sein Leben lang mit der Sprache beschäftigt, ist wie ein Zimmermann, der seine ganze Arbeitszeit damit verbringt, seine Werkzeuge zu schärfen." |
Es gibt ja hunderte verschiedener Sprachen. Man müßte untersuchen, ob die Philosophie der verschiedenen Völker so verschieden ist wie ihre Sprachen. Mit Ausnahme der klassischen Logik, die stark an die griechisch/lateinische Grammatik angelehnt ist und in China auf Grund ihrer anderen Sprache nicht vorhanden gewesen sein soll, ist mir kein weiteres Beispiel bekannt. Die Grundfragen des Seins sind unabhängig von der konkreten Sprache überall die gleichen. Siehe zur Kritik an der Überbewertung der Sprache auch Analytische Philosophie.]