Sowohl aus philosophischer wie aus
naturwissenschaftlicher Sicht kann man heute sagen, daß die Welt, in der wir leben, unser geistiges Produkt ist. Unabhängig von uns mag es durchaus bestimmte objektive Tatbestände geben, von denen ein Teil über die Sinnesorgane das Gehirn erreichen und dem menschlichen Geist als Rohmaterial dienen. Wir können uns die Welt nicht nach freiem Belieben schaffen. Aber das ändert nichts an der Tatsache, daß die Welt, in der wir leben, die wir wahrnehmen, besonders sehen, unser geistiges Produkt ist und ohne uns Menschen so nicht existiert. [1]
Beim Naiven Realismus handelt es sich nicht um ein rein akademisches Problem. Wenn wir z. B. unsere Haustiere richtig behandeln wollen, dann müssen wir wissen, daß sie - auch wenn sie um uns herum existieren - in einer anderen Welt leben als wir. Aber auch die verschiedenen Menschen leben in verschiedenen Welten! Viele - nicht etwa alle - Konflikte zwischen den Menschen haben ihre Ursachen darin, daß dies nicht genügend bekannt oder berücksichtigt wird. Wenn die
Musik, die ich in den 60er Jahren gehört habe (und auch heute noch höre), auf meinen Vater die gleiche Wirkung hatte, wie auf mich Techno-Musik, dann kann ich heute verstehen, warum er sie als "Krachmusik" bezeichnet hat.
Wir leben in einer objektiven Welt, haben als Erkenntnisse und Erlebnisse aber immer nur unser subjektives, individuelles Bild von dieser Welt. Die Bilder, die die verschiedenen Menschen sich von der Welt machen, sind verschieden. Würde es aber gar keine Übereinstimmung in diesen Bildern geben, dann könnten die verschiedenen Menschen nicht zusammenleben. Näheres hierzu in meinem Beitrag zur Evolutionären Erkenntnis-theorie.
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Anmerkungen
Anm. 1: Und das trifft auch für unseren Körper, für unsere Sinnesorgane, für unser Nervensystem und unser Gehirn zu. (Was einige
Radikale Konstruktivisten scheinbar nicht berücksichtigen.) Das Einzige, das nicht Produkt unseres Geistes sein kann, ist der Geist selbst. Zurück zum Text
Anm. 2: Es gibt meiner Überzeugung nach ganz einfache Beispiele dafür, daß der Mensch nicht einfach nur die von ihm unabhängige Welt widerspiegelt, wie z. B.
Lenin behauptet hat. Wenn über einer Einfahrt "TOR" steht, dann nicht deshalb, weil dies ein objektiver oder vom Betrachter unabhängiger Tatbestand ist, sondern weil der Betrachter der deutschen Sprache mächtig ist und lesen gelernt hat. Ein Russe, Araber oder Chinese der nur seine Sprache und seine Buchstaben kennt, der erlebt beim Anblick "TOR" etwas ähnliches. was wir beim Anblick von "Þ¥µ" erleben. Näher ausgeführt habe ich in "Meiner Philosophie". Dort sind auch weitere Beispiele aufgeführt. Zurück zum Text
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