Es geht mir nicht darum, Philosophie in Naturwissenschaft aufzulösen. Die Philosophie beschäftigt sich mit Fragen, die die Naturwissenschaften nicht stellen. Aber Philosophie sollte besonders in unserer heutigen Zeit das moderne naturwissenschaftliche Weltbild berücksichtigen, es in ihre Überlegungen einbeziehen, was nicht bedeutet, daß sie es kritiklos als eine Sammlung objektiver, ontologischer Wahrheiten letzter Instanz hinneh-men soll oder muß. [1] Aber wer losgelöst von allen modernen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen philosophiert, den kann ich nicht ernst nehmen. Vielen Philosophen des 20. Jahrhunderts muß dieser Vorwurf gemacht werden. Ich nenne hier als Beispiele nur mal Heidegger und Adorno. (Es gibt auch viele Naturwissenschaftler, die die Philosophie ignorieren, was ich für genauso verkehrt halte.
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Um uns herum existieren elektromagnetische Wellen der verschiedenen Frequenzen und verschiedenste Materieformen (die selbst wieder zu Materie geronnene Energie, also Bewegung sind). Verschiedene Elementarteilchen bilden Atome der verschiedenen Art. Daraus bilden sich Moleküle in millionenfacher Vielfalt. Einige der um uns herum existierenden Strahlungen und Materieformen haben eine Wirkung auf unsere Sinne, andere nicht. Elektromagnetische Wellen einer bestimmten Frequenz lösen in unseren Augen chemische Prozesse aus, die bewirken, daß Elektronen über Nervenfasern ins Gehirn fließen. In Schwingungen geratene Luftmoleküle treffen auf unsere Trommelfelle und erzeugen ebenfalls Nervenimpulse. Ähnlich ist es bei Geschmacks-, Geruchs- und Tastsinn. Unser Gehirn verarbeitet nun all diese eintreffenden Nervenimpulse zu der Welt, wie wir sie um uns herum wahrnehmen.
Naturwissenschaftlich betrachtet kann man also nicht einmal sagen, die für uns existierende Welt sei eine mögliche Anschauungsweise dessen, was unabhängig von uns existiert. Die Welt, die wir um uns herum wahrnehmen, ist, naturwissenschaftlich betrachtet, unabhängig von uns überhaupt nicht existent!
Die Behauptung, das Sein an sich sei möglicherweise ganz anders als wir meinen - für viele "Realisten" schlichtweg "Dummes Zeug" -, die Behauptung, es kann um uns herum Dinge geben, von denen wir nichts wissen, weil sie auf unsere Sinne keine Wirkung haben und wir auch (zumindestens bisher) nicht mit dem Verstand auf sie geschlossen haben, widerspricht nicht dem heutigen Erkenntnisstand der Naturwissenschaft.
Auf die Geschichtlichkeit der Wissenschaft hat Pascal hingewiesen, indem er in der Auseinandersetzung mit den Cartesianern feststellte, daß die Erkenntnisse unserer Vorfahren, auch wenn wir sie zu beträchtlichen Teilen revidieren, deshalb nicht einfach nutzlos seien. Wir können nur über unsere Vorfahren hinaussehen, weil wir auf ihren Schultern stehen. Aber so wie wir vielfach über unsere Vorfahren hinausgehen, sagte Pascal, so werden unsere Nachfahren über uns hinausgehen. (Höffe 1, S. 330f)
Es gibt auch viele Menschen, besonders im naturwissenschaftlich-technischen Mittelbau trifft man solche häufig an, die ganz naturwüchsige
Materialisten oder Positivisten sind, sich aber ihrer Entscheidungen in erkenntnistheoretischen und philosophischen Fragen gar nicht bewußt sind, da sie sich mit Philosophie nicht auskennen. Häufig weigern sie sich sogar ausdrücklich, sich überhaupt mit Philosophie zu beschäftigen. Nicht, was völlig legitim wäre, weil es nicht ihr Interessensgebiet ist, sondern, weil sie meinen, Philosophie sei Kokolores, überflüssig. Statt an irgendwelche "Spekulationen und Spinnereien" halten sie sich an das, was "beweisbar" ist. Wer so denkt, dem halte ich entgegen: Vieles, was wir im praktischen Leben als richtig voraussetzen, ist in überhaupt keiner Weise beweisbar! Wir setzen es als richtig voraus, weil wir es als richtig voraussetzen wollen, in der Regel, weil wir es einfach so gewöhnt sind. Der "Tatsachen-sinn", den viele (nur) naturwissenschaftlich-technisch denkende Menschen glauben den Philosophen vorauszuhaben, entpuppt sich so als mangelnde Sensibilität für die Tatsa-che, daß ihr Wissen zu einem beträchtlichen Teil aus Vermutungen besteht. (Dieser Absatz ist ein Auszug aus Meine Philosophie, Anmerkung 54.)
: Die heutzutage unter Astrophysikern mehrheitlich vertretene Auffassung ist, daß das Universum und damit
vor ca. 13 Milli-arden Jahren in einem Urknall entstanden ist. Die kosmische Hintergrundstrahlung wird als Echo dieses Urknalls und die Expansion des Universums als Ergebnis diese Urknalls angesehen. Wer sich dafür näher interessiert, den empfehle ich
".
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