Der Begriff "Erkenntnis" wird in Philosophie in der Regel für "begründetes Wissen" verwendet. (Im Gegensatz zu meinen und glauben.) Vieles, was im philolex-Beitrag Wissen steht, trifft deshalb auch für Erkenntnis zu. Erkenntnis wird auch oft synonym mit Wahrheit benutzt. Traditionell und umgangssprachlich bedeutet Erkenntnis deshalb auch Adequatio intellectus et rei.
In der Philosophie unterscheidet man u. a. zwischen diskursiver Erkenntnis, sprachlich begreifbares und vermittelbares Wissen, und intuitiver oder evidenter Erkenntnis, die sprachlich nicht erfaßbar und vermittelbar ist, sowie zwischen Erkenntnis a posteriori und Erkenntnis a priori.
Das 6. Kapitel Meiner Philosophie beginnt mit dem Absatz: "Da ich nichts anderes haben kann als Erlebnisse, aber diese Erlebnisse auch unbezweifelbare subjektive Realität sind, beginnt ein Neuaufbau damit, mir die Differenziertheit meiner Erlebnisse in immer stärkerem Maße bewußt zu machen. Damit bringe ich aber auch ständig neue Erlebnisse, neue Bewußtseinsinhalte hervor. Diesen Prozeß nenne ich 'Erkenntnis'. Meine aktive Tätigkeit in diesem Erkenntnisprozeß nenne ich 'denken'." Für mich ist Erkenntnis in letzter Instanz der Prozeß, in dem ein Individuum sich der Vielfalt seiner Bewußtseinsinhalte gewahr wird und im Verlaufe dieses Prozesses auch ständig neue Bewußtseinsinhalte erzeugt. In wieweit das alles einen Bezug auf objektiv Existierendes hat, bleibt in letzter Instanz unsicher. Ich vermute aber stark, daß vielen Bewußtseins-inhalten objektive Tatsachen zugrunde liegen, wie ich u. a. in meiner Kritik am
Radikalen Konstruktivismus näher ausgeführt habe.
Wie unsicher vieles ist, was wir im täglichen Leben und/oder in der Wissenschaft mit Selbstverständlichkeit als richtig ansehen, damit habe ich mich in
meiner Vorstellung von Wissenschaft und meinem Aufsatz "Gedanken zur Erkenntnistheorie" näher beschäf-tigt.