Robert Reininger kommt mit seiner "Philosophie der Wirklichkeitsnähe" meinen Vorstel-lungen zu Beginn sehr nahe. Als Ausgangspunkt des Philosophierens solle man etwas wählen, das über jeden Zweifel erhaben sei, nämlich das, was gerade jetzt erlebnismäßig für mich vorhanden sei. Dieses nennt Reininger "Urerlebnis". Allerdings ist das, was Reininger unter "Urerlebnis" versteht, etwas, das ich erst als Produkt von Denktätigkeit betrachte. Im Reiningerschen Urerlebnis gibt es eine Einheit von Erleben und Erlebten, noch keine Einzelerlebnisse, sondern ein Einheitserlebnis, ein erlebnisseiendes Ich und noch kein erlebnishabendes Ich, ein zeitloses Jetzt, eine stumme Wirklichkeit, aus der heraus man nicht philosophieren kann.
In meinem unmittelbaren Erleben ist aber schon die Trennung zwischen Erleben und Erlebten, sind schon Einzelerlebnisse, ist schon ein Erlebnisse habendes Ich, ist schon Zeit, ist schon Philosophieren (!) vorhanden. Erst durch nachträgliches denken kann ich darauf schließen, daß vieles, was in meinem unmittelbaren Erleben vorkommt, subjekti-ver Schein ist.