Der herausragendste »Ich-Philosoph« ist
Fichte. Nach ihm steht am Beginn das aktive »Ich«, dass in einem vorbewussten Stadium sein eigenes Sein setzt. Und da das »Ich« seinem innersten Wesen nach Tätigkeit sei, setze es sich, ebenfalls unbewusst, ein »Nicht-Ich«, die Welt, als Schranke, als Widerstand entgegen, um an etwas tätig sein zu können. Hatte der frühe Fichte mit seinem »individuellen Ich« das Problem des Solipsis-mus (auch wenn ihm selbst das nicht bewusst gewesen sein sollte), so wird das »Ich« des späten Fichte mehr und mehr zu einem »universellen Ich« und nähert sich bereits der Vorstellung vom Weltgeist.
Für
Husserl hat der Mensch als »empirisches Ich« Erlebnisse, aber als »seelisches Ich« sei er ein Bündel von Erlebnissen, ein Erlebnisstrom. Husserl vertrat zuerst die Position, die Erlebnisse eines »seelischen Ichs« verdankten ihre Zusammengehörigkeit nur Relationen, die sie zueinander hätten. (Aktualismus) Später sagte Husserl dann, sie verdankten diese Zusammengehörigkeit Beziehungen, die sie zu einem »reinen Ich« hätten. (Substanzialismus) Während
Descartes das Ich aus dem Zweifel herausrettet, forderte Husserl die »Einklammerung« des Ichs (der innere Welt).
zu unterscheiden. Sicher ist, was jetzt gerade da ist. Oder wie man es auch immer nennen mag. Es sind
da, es sind Bewusstseininhalte da. Und die sind nicht gleichzeitig nicht da, sie sind nicht hinwegzweifelbar. Wenn im
eine Instanz ist, die sich »Ich« nennt, ist auch sie im Moment da und nicht hinwegzweifelbar.
Wer oder was bin »Ich« eigentlich? Ich bin ein erlebendes Wesen. Wenn ich alle Erlebnisse streichen würde (was gar nicht möglich ist), dann bliebe gar kein Ich mehr übrig. Ich bin identisch mit meinen Erlebnissen. Diese Erlebnisse ändern sich aber ständig. Neue kommen, alte verschwinden. Einige dieser Erlebnisse, die besonders stabil sind, die sich im Vergleich zu anderen nur sehr langsam ändern, die sind es, die ich mit den Namen »Ich« bezeichne. Ich habe mal darüber nachgedacht, ob ich eigentlich noch der Mensch bin, der ich Ende der 60er Jahre war. Damals war ich ein sehr junger, ungebildeter, auf einem qualitativ anderen geistigen Niveau existierender Hilfsarbeiter ohne Volksschulabschluss. Die Veränderungen, die ich in den vergangenen 20/30 Jahren durchlaufen habe, sind stärker als bei den meisten anderen Menschen. Bin ich also noch der, der ich damals war? »Ich bin es und ich bin es nicht!« (Auszug aus dem 14. Kapitel »Meiner Philosophie«.)
Da das einzelne Ich sich nur seiner eigenen Existenz sicher sein kann, besteht die Möglichkeit des Solipsismus.
Hermann Hesse: »In Wirklichkeit aber ist kein Ich, auch nicht das naivste, eine Einheit, sondern eine höchst vielfältige Welt, ein kleiner Sternenhimmel, ein Chaos von Formen, Stufen und Zuständen, von Erbschaften und Möglichkeiten.«