Mit seinem Hauptwerk, der Kritik der reinen Vernunft, wollte Kant eine kopernikanische Wende in der Philosophie herbeiführen. [1] Kant kritisierte den naiven Glauben sowohl des Rationalismus wie des Empirismus an der Objektivität der Erkenntnisse. Seine Transzendentalphilosophie beschäftigt sich nicht mit Gegenständen, sondern mit unserer Erkenntnisart der Gegenstände. Vor aller Erfahrung, apriorisch, lägen in unserem Verstand Formen, Kategorien etc. nach denen wir das Objektive erfahren und ordnen würden. Alles objektive sei subjektiv geformt. Hinter der Welt unserer Erfahrung läge eine Welt der Dinge an sich, über die wir nichts wissen könnten. Raum und Zeit würden vom Menschen in die Welt hineingetragen, existierten also unabhängig von uns nicht. Ebenso verhielte es sich mit den Naturgesetzen. In dieser Schrift kommt Kant auch zu der Auffassung, daß Metaphysik als Wissenschaft unmöglich ist, da Gott und Seele außerhalb unserer Erfahrung lägen. [Meine Auffassungen dazu weiter unten.]
Erfahrung als letztes Kriterium: In der Schrift "Untersuchung über die Deutlichkeit der Grundsätze der natürlichen Theorie und Moral" sagt Kant, was logisch richtig behauptet werde, könne nicht verleugnet oder widerlegt werden. Aber wenn man Erkenntnis über die Wirklichkeit erstrebe, dann müsse man die Erfahrung zu Hilfe nehmen, als letztes Kriterium, an dem jede philosophische These gemessen werden müsse. Gedacht werden könne auch der Begriff Gottes, wenn er klar definiert sei. Doch folge daraus noch keineswegs die Wirklichkeit Gottes.
"Transzendental" darf nicht mit "transzendent" verwechselt werden. Transzendental nennt Kant "alle Erkenntnis, die sich nicht [...] mit Gegenständen, sondern mit unserer Erkenntnisart von Gegenständen, sofern diese a priori möglich sein soll, [..] beschäftigt". Transzendental heißt nicht über alle Erfahrung hinausreichend, sondern aller Erfahrung vorausgehend, sie erst ermöglichend. Transzendental-Philosophie ist ein System aller Prinzipien der reinen Vernunft. (Hier wird über das Denken nachgedacht.)
Raum: Die Raumvorstellung sei a priori. Raum sei die Form, nach der uns alle Erschei-nungen der äußeren Sinne gegeben würden. Alle konkreten Attribute der mir erscheinen-den Gegenstände könne ich wegdenken, aber nicht die Ausgedehntheit im Raum. Den Raum könne ich nicht wegdenken, ohne die gesamte Anschauung zunichte zu machen. [Bis hierhin sehe ich es auch so.] Der Raum hafte aber nicht an den Dingen selbst. Wir seien es, die die Raumvorstellung an die Dinge herantragen würden. [Und das leuchtet mir nicht mehr ein. Ich kann mir zwar vorstellen, daß dies so ist, aber mit Sicherheit wissen kann ich das nicht.] Der Raum habe empirische Realität, er habe objektive Gültigkeit für alles, was uns erscheinen könne und er habe transzendentale Idealität, er sei ein Nichts, sobald wir die Bedingungen der Möglichkeit aller Erfahrung wegließen.
Begriffe ohne Anschauungen seien leer, Anschauungen ohne Begriffe seien blind. (Die alte Metaphysik habe Begriffe verwendet, die ohne Anschauung und damit leer gewesen seien.) So wie die Empfindungen durch die apriorischen Formen der Sinnlichkeit (Raum und Zeit) geordnet würden, so forme jetzt der Verstand diesen sinnlichen Rohstoff zu Begriffen und verbinde die Begriffe zu Urteilen. Kant fragt nun, wie kommt es, daß unser Verstand Begriffe bilden kann, die mit einem bestimmten Gegenstand übereinstimmen.
| Urteilsformen, Urteile und Kategorien |
| Quantität | Allgemeine | Besondere | Einzelne |
| Alle Menschen denken | Einige Menschen sind Wissenschaftler | Kant ist ein Philosoph |
| Einheit | Vielheit | Allheit |
| Qualität | Bejahende | Verneinende | Unendliche |
| Dieser Mensch ist Philosoph | Jener Mensch ist kein Philosoph | Jener Mensch ist nichtphilosophisch |
| Realität | Negation | Limitation |
| Relation | Unbedingte | Bedingte | Ausschließende |
| Dieser Mensch philosophiert. | Wenn ich nichts lerne, dann bleibe ich dumm. | Entweder ich lerne, oder ich bleibe dumm. |
| Substanz und Akzidens | Ursache und Wirkung | Gemeinschaft (Wechselw.) |
| Modalität | Vermutende | Behauptende | Notwendige |
| Dieser Schüler kann Philosoph werden | Dieser Schüler wird Philosoph | Dieser Schüler muß Philosoph werden |
| Möglichkeit - Unmöglichkeit | Dasein - Nichtdasein | Notwendigkeit - Zufälligkeit |
Nach der kantischen Erkenntnislehre werden Gegenstände und Naturgesetze von den Menschen nicht vorgefunden, sondern von ihnen geschaffen. Nach in ihnen liegenden gesetzmäßigen subjektiven Denkformen. Aber nicht unabhängig von äußeren Eindrücken. Hier wird Kant nun unterschiedlich interpretiert, bzw. weiterentwickelt. Wenn man die äußeren Eindrücke wegläßt, ist man beim subjektiven, inter-subjektiven, objektiven oder absoluten
Idealismus, wie die Deutschen Idealisten nach ihm. Sieht man diese subjek-tiven Denkformen als Evolutionsprodukt, wie Konrad Lorenz es macht, dann bekommen wir mit unseren subjektiven Setzungen objektive Tatsachen in den Blick. Kant hat für beide Deutungen Aussagen hinterlassen.
Die Vernunft sage dem Verstand nur, wie er verfahren solle, nicht wie er verfahren müsse. Du sollst alle psychischen Erscheinungen so verknüpfen, als ob ihnen eine Einheit, die Seele, zugrunde läge. Du sollst die Reihe der bedingten Erscheinungen so verknüpfen, als ob ihnen eine unbedingte Einheit, die Welt, zugrunde läge. Du sollst so denken, als ob es zu allem, was existiert, eine erste notwendige Ursache, den göttlichen Schöpfer gäbe.
Gegen Askese und Trübsinn: Kant wendet sich gegen die Mönchsasketik, da diese den Frohsinn, der die Tugend begleite, nicht bewirken könne, sondern nicht ohne geheimen Haß gegen die Tugendlehre geschehe. Man solle aber fröhlichen Gemüts seine Pflichten erfüllen, denn was man ohne Lust mache, das habe keinen inneren Wert. [Folgerichtig, wenn der gute Wille das Entscheidende ist.]
Zu den "Dinge an sich": Ich will nicht mit Absolutheitsanspruch behaupten, es gäbe keine äußeren Gegenstände, die an meine Sinne rühren, aber eine unbezweifelbare Tatsache ist dies nicht. Im Traum erlebe ich auch eine gegenständliche Welt und nach der gängigen Auffassung ist diese ein Produkt meines Geistes, ohne daß es tatsächlicher Gegenstände bedarf, die an meine Sinne rühren. Kant fällt hier hinter
Hume zurück. Ob es unabhängig von mir existierende Gegenstände gibt, ist vielleicht nur dialektisch zu beantworten: Es kommt immer darauf an, wie man es gerade sieht. Letztendlich ist es aber nicht erkennbar. So war denn auch ein Wesenszug des
Neukantianismus der weitgehende Verzicht auf das "Ding an sich".
Daß uns alles Äußere nur in der Form von Vorstellungen in uns gegeben ist, habe ich selbst viele Jahre geglaubt. Inzwischen weiß ich aber, daß dies ein fundamentaler Irrtum ist! Wenn es überhaupt etwas gibt, das über jeglichen Zweifel erhaben ist, dann ist es doch wohl das, was jetzt in diesem Moment erlebnismäßig für mich vorhanden ist, was jetzt in diesem Moment unmittelbar passiert. (Die Wortwahl entscheidet schon darüber, in welche Richtung man weiter denkt!) In diesem unmittelbaren Erleben ist die Welt nicht in mir, sondern außer mir, um mich herum. Würde ich von allem Äußeren nur durch Vorstellungen in mir, in meinem Kopf wissen, dann müßte konsequenterweise alles (was für mich existiert) in meinem Kopf existieren, mein Kopf müßte alles (von dem ich weiß) umfassen. Das tut er aber nicht.
Wenn das unabhängig von mir existierende nicht in Raum und Zeit ist, dann ist es extrem irreführend, dafür den Begriff "Ding" zu benutzen. Dann soll man gleich "Idee" sagen.
Interessant ist, wie Hoimar v. Ditfurth im Lichte der naturwissenschaftlichen Erkenntnisse des 20. Jahrhunderts - und angeregt durch Konrad Lorenz - die Auffassungen Kants darstellt (
Innenansichten): Ditfurth sagt, unsere menschliche Vorstellung von Raum und Zeit tragen wir Menschen in die Welt hinein, aber nicht jegliche Form von Raum und Zeit. Es gebe eine objektive Zeit und einen objektiven Raum. Aber der objektive Raum ist
"nichteuklidisch", nicht grenzenlos, sondern immer in sich zurückgekrümmt. Die objektive Zeit ist relativ, hängt ab, von Massen und deren Bewegung. Eine solche Auffassung von Raum und Zeit ist mir plausibler als die original kantische.
Diese Behauptung, daß der Mensch der Gesetzgeber der Natur ist, folgt aus den anderen Behauptungen Kants. Die innere Konsistenz ist gewahrt. Trotzdem ist es verrückt! Wenn man jetzt noch auf die unbeweisbare Behauptung der Existenz von "Dingen an sich" verzichtet, dann ist man bei Fichte. Kein Wunder, daß die Philosophie Kants anfänglich mit der Berkeleys verwechselt wurde. Wenn die Menschen Schöpfer der Naturgesetze sind, dann ist es mir unverständlich, warum Kant dann überhaupt noch auf die vom Menschen unabhängig existierenden "Dingen an sich" besteht.
Während es beim Erkenntnisvorgang (Empirie und Ratio) noch im Grundsätzlichen Übereinstimmung gab zwischen Kant und der modernen Naturwissenschaft, so ist spätestens hier diese Übereinstimmung zu Ende.
Man könnte nun analog zu der oben bereits erwähnten Darstellung Kants durch
Hoimar v. Ditfurth sagen, so wie der menschliche Raum und die menschliche Zeit von uns in die Welt getragen werden, aber eben nicht jeglicher Raum und jegliche Zeit, so tragen wir Menschen auch unsere von uns erkannten, oder von uns vermuteten Gesetze in die Welt, aber eben nicht jegliche Art von Gesetzen.
Oder vielleicht noch besser: In dem von uns Menschen unabhängig existierenden Sein gibt es tatsächlich keinen Raum, keine Zeit und keine Gesetze, sondern etwas anderes, qualitativ weit über dem uns Menschen Begreifbaren hinaus. Aber dann kann man auch das "Ding an sich" weglassen, weil dieser Begriff nichts über das von uns unabhängig existierende aussagt.
Ich würde fast so weit gehen zu behaupten, daß Kant - wie nach bzw. parallel zu ihm Fichte und Schelling - ein inkonsequenter Hegelianer war. Nun gab es zu seinen Leb- und Schaffenszeiten die hegelsche Philosophie noch nicht. In der philosophischen Literatur läßt man in der Regel den deutsche Idealismus mit Kant beginnen und mit Hegel seinen Höhepunkt erreichen. Das leuchtet mir ein.
Zum Kategorischen Imperativ:
Kann ich wollen, daß alle Menschen Philosophieprofessoren werden? Kann ich natürlich nicht wollen, denn es sind für das Funktionieren einer arbeitsteiligen Gesellschaft auch noch andere Berufe nötig. Trotzdem werden einzelne Menschen Philosophieprofessoren. Kann ich wollen, daß alle Menschen Kaufleute oder Fabrikanten werden? Natürlich nicht. Denn es muß ja auch noch Leute geben, die die Lebensmittel herstellen. Ich kann nicht wollen, daß alle Menschen auf Kosten der Arbeit anderer Menschen leben, weil das überhaupt nicht funktionieren würde. Trotzdem leben in der Realität viele Menschen auf Kosten anderer und dazu noch völlig legal.
Und genauso kann ich nicht wollen, daß alle Menschen ständig und nur stehlen und lügen, weil ich erkennen kann, daß ein Zusammenleben in der Gesellschaft dann unmöglich würde. Das heißt aber nicht, daß ich nicht zum persönlichen Vorteil stehlen und lügen werde, wie die meisten anderen Menschen auch. So funktioniert die Welt. Der kantische kategorische Imperativ ist nichts anderes als der etwas intellektuell eingeklei-dete fromme, naive und weltfremde Spruch: Was du nicht willst, das man dir tut, das füge auch keinem anderen zu.
Im übrigen ist Lügen und Stehlen elementarer Bestandteil unserer Gesellschaft. Wir alle lügen häufig und wollen auch oft belogen seien. (mundus vult decipi) Die legale Ausbeu-tung im Produktionsprozeß und die legale Art der Gewinnmachung im Handel oder durch Spekulationen der verschiedensten Art ist auch eine Art Stehlen. Und bisher sind alle Versuche an Stelle solcher gesellschaftlicher Verhältnisse andere zu setzen, geschei-tert. [3]
Was Kant "Gewissen" nennt, kann man auch als das ihm anerzogene
"Über-Ich" interpretieren. Andere Menschen, besonders die zu anderen Zeiten und in anderen Kulturkreisen aufgewachsen sind, aber auch Menschen, die einfach nur unter anderen Lebensumständen großgeworden sind, z. B. als Kinder armer Leute oder als Kinder von Kriminellen usw., werden in sich möglicherweise anderes vorfinden als Kant in sich vorfand. Für solche Menschen ist der kategorische Imperativ Kants eben doch eine von außen herangetragene Forderung.
Kants Ableitung der Willensfreiheit ist die verrückteste, die ich kenne! Aber wenn man davon ausgeht, daß der Mensch der Schöpfer der Naturgesetze ist, daß es in der Sphäre der "Dinge an sich" keine Kausalität gibt, dann ist eine solche Einstellung folgerichtig. Die innere Konsistenz ist jedenfalls gewahrt. (Shakespeare: "Ist es gleich Wahnsinn, hat es doch Methode.") Vielleicht ist der Mensch frei, vielleicht nicht. Kant glaubt es zu wissen, ich glaube es nicht zu wissen.
In Anlehnung an den Satz "Du kannst, denn Du sollst!" habe ich den Satz kreiert: Du mußt, denn du willst! Die letzten Ziele unseres Handels sind von unserem Willen gesetzt. Die Vernunft kann nur Teilziele festlegen. Die Vernunft kann mir z. B. nicht sagen. "Lebe!" Die Vernunft könnte mir auch sagen: "Sterbe! Dann hast du's hinter dir. Früher oder später stirbst du ja sowieso. Wozu die ganze Plagerei?" Ich will leben. Ich will bei guter Gesundheit ein hohes Alter erreichen. Wenn ich das aber will, dann muß ich bestimmte Dinge tun, die mein Verstand mir rät. So ist es auch mit anderen Zielen.
Also nicht "Du kannst, denn Du sollst!" Auch nicht "Du sollst, denn Du kannst!" Nein. "Du mußt, denn Du willst!" Aber wenn du nicht willst, dann mußt du auch nicht.
Andere Philosophen zu Kant
Heinrich Heine: Nachdem Kant mit der "Kritik der reinen Vernunft" der Religion den Todesstoß versetzt hat, geht er mit seinem Diener Lampe spazieren und bemerkt, daß die Augen des alten Mannes mit Tränen gefüllt sind. Da erbarmt sich Immanuel Kant und zeigt, daß er nicht nur ein großer Philosoph, sondern auch ein guter Mensch ist; und halb gutmütig, halb ironisch spricht er: "Der alte Lampe muß einen Gott haben, sonst kann der arme Mensch nicht glücklich sein, sagt die praktische Vernunft - meinetwegen, so mag die praktische Vernunft die Existenz Gottes verbürgen."
Herder (über die Kategorien): "öde Wüste voll leerer Hirngeburten ... anmaßende Wortnebel."
Jacobi: Indem Kant die Affektion der Sinne von den Körperdingen ausgehen läßt, wendet er selbst die Kausalität auf die Dinge an sich an.
Popper schätzt Kant sehr, sagt aber, daß dieser letztendlich nicht kritisch genug war. Unsere Verstandesschöpfungen haben einen reinen Versuchscharakter. Wir wissen viel weniger als Kant geglaubt hat. [!]
Die Vertreter des Radikalen Konstruktivismus sehen in Kant einen ihrer - allerdings inkonsequenten - Vorläufer.
Paul Ree: "Man ist bei Kant wie auf dem Jahrmarkt. Da ist alles zu haben: Willensfreiheit und Willensunfreiheit ..., Atheismus und der Liebe Gott."
Schopenhauer: Kant deckt das Grundlose (der spekulativen Theologie) auf, läßt hingegen die populäre unangetastet und stellt sie sogar in veredelter Form auf ..."
Schulze: Kant soll zu Hume zurückkehren, bei dem subjektive Formen des Denkens Psychologismen sind und keine transzendentallogische Geltung haben.
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Anmerkungen
Anm. 1:
In der "Vorrede zur zweiten Auflage" der "Kritik der reinen Vernunft" schreibt Kant, was er unter dieser "Kopernikanischen Wende" versteht: "Es ist hiermit ebenso, als mit den ersten Gedanken des Kopernikus bewandt, der, nachdem es mit der Erklärung der Himmelsbewegungen nicht gut fort wollte, wenn er annahm, das ganze Sternheer drehe sich um den Zuschauer, versuchte, ob es nicht besser gelingen möchte, wenn er den Zuschauer sich drehen, und dagegen die Sterne in Ruhe ließ. In der Metaphysik kann man nun, was die Anschauung der Gegenstände betrifft, es auf ähnliche Weise versuchen. Wenn die Anschauung sich nach der Beschaffenheit der Gegenstände richten müßte, so sehe ich nicht ein, wie man a priori von ihr etwas wissen könne; richtet sich aber der Gegenstand (als Objekt der Sinne) nach der Beschaffenheit unseres Anschau-ungsvermögens, so kann ich mir diese Möglichkeit ganz wohl vorstellen." [Auf diese Weise bekommt man ein subjektives oder inter-subjektives Wirklichkeitsbild. Und da unser subjektives und inter-subjektives Wirklichkeitsbild ein Teil dessen ist, was objektiv existiert, bekommen wir dadurch einen Teil des objektiv Existierenden in den Blick. Aber nicht die Objektivität schlechthin. Welche Bedeutung unser Wissen im Sein schlechthin hat, können wir nicht wissen. So sagt denn
Hoimar von Ditfurth: "Wir müssen die Möglichkeit einräumen, daß der Unterschied zwischen uns und der Amöbe vor unseren Augen fast zur Bedeutungslosigkeit schrumpfen könnte, wenn wir den noch vielfach gewaltigeren Abgrund zu sehen vermöchten, der auch uns noch immer von der 'Wahrheit der Welt' trennt."] Zurück zum Text
nicht unterschieden wie in der heutige Physik. Wenn also diese beiden von Kraft sprechen, kann man das heute mit Energie übersetzen. Näheres im
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Da es mehrfach Einwände gegen meine Kritik am Kategorischen Imperativ gab, die nach meinem Empfinden auf Mißverständnissen beruhten, möchte ich meine Position hier noch einmal verdeutlichen.
Das Problem ist nicht, daß Menschen verschiedene Berufe ausüben, sondern daß diese verschiedenen Berufe 1. mit (zum Teil gravierenden) Unterschieden verbunden sind, was Zugang zu materiellem Reichtum und/oder zur geistig kulturellen Welt betrifft, und daß 2. der Zugang zu den Berufen, die mit einem privilegierten Zugang zu Reichtum, Bildung und Kultur verbunden sind, nicht jedem offenstehen. Der Zugang hängt in der Regel nicht von den individuellen Potenzen ab, sondern von der sozialen Stellung der Eltern.
Es gibt ganz legale Formen von Lügen und Stehlen, ohne die unsere bürgerliche Gesell-schaft gar nicht funktionieren könnte. Viele (nicht alle!) reichen Leute verdanken ihr luxuriöses Leben der Arbeit anderer. Vor langer Zeit (bevor ich über den 2. Bildungsweg studierte) war ich Lehrling. Ich habe einige Jahre für einen Stundenlohn von ein bis zwei Mark gearbeitet und wenn meine Chefs nicht diverse Lehrlinge gehabt hätten, hätten ihre kleinen Firmen nicht überleben können. Auf jeden Fall wären sie nicht Mercedes gefah-ren.
Das Beispiel "Philosophieprofessor" habe ich gewählt, weil Kant Philosophieprofessor war. Ich hätte auch fragen können: "Kann ich wollen, daß jeder König ist?" Das kann ich natürlich nicht wollen. Wer würde dann die Lebensmittel herstellen? Nichtsdestotrotz gibt es Könige, ohne daß die Welt daran zugrunde geht.
Philosophieprofessor, König, Fabrikant, Arbeiter, Bauer etc. sind nicht einfach nur Berufs-bezeichnungen. Sie sagen etwas über die soziale Stellung der Menschen aus. Und hier ist dann auch das Eigentum von Interesse. (Dessen Schutz
so sehr am Herzen lag.) Der Eine wird in eine Familie hineingeboren, in der Reichtum und Bildung ist. Der Andere wird in eine Familie hineingeboren, wo Armut und Unwissenheit ist. Die Wahr-scheinlich ist ziemlich groß, daß der Eine später reich und gebildet, der Andere später arm und ungebildet ist. Wenn nun der Arme dem Reichen etwas stiehlt, ist das ethisch verwerflich. Aber ist es nicht schon ethisch verwerflich, daß Menschen nur auf Grund ihrer Geburt mehr haben als andere? Aus welchem Grunde sollte der Arme ein Interesse am Schutz des Eigentums des Reichen haben? Die herrschende Eigentumsordnung ist ein Instrument seiner Unterdrückung, seiner Benachteiligung. (Es sei denn, man sieht es wie
Das Problem ist, daß die große Mehrheit derer, die durch die herrschende Eigentums-ordnung in der bürgerlichen Gesellschaft benachteiligt sind, das nicht bemerken, oder aber kein Problem darin sehen. Und die Benachteiligten in der 3. Welt sind zu ohnmäch-tig um etwas zu ändern.
Es gibt ein strukturelles Unrecht, das in der Funktionsweise der Gesellschaft und der Natur begründet ist. Wobei sich hier dann die Frage ergibt, was
und Unrecht überhaupt ist. Gibt es überhaupt soetwas wie "Recht an sich" oder ist Recht und Unrecht immer eine Frage der subjektiven Wertung?
Der kantische Kategorischen Imperativ ist im Anbetracht der Funktionsweise und des Zustandes der
ein frommer Wunsch, er ist inkonsequent bis verlogen. Wer ihn Ernst nimmt, müßte sich für die (auch ökonomische) Gleichheit aller Menschen einsetzen, also für das, was
unter Kommunismus verstand. (Was die im "Osten" gemacht haben, hatte damit nichts zu tun.) Aber der Kommunismus scheitert an der Natur des Menschen.
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