Philosophie und Parapsychologie

Dieser Aufsatz ist in Teilen identisch mit dem 13. Kapitel "Meiner Philosophie",
Philosophie und Parapsychologie.

Unter dem Begriff Parapsychologie werden u. a. Phänomene wie außersinnliche Wahr-nehmung (Telepathie, Hellsehen, Präkognition, d. h Zukunftsvorhersage, Retrokognition, d. h. außersinnliches Wissen um vergangene Ereignisse) und Psychokinese bzw. Telekines, d. h. Bewegen von Gegenständen durch Gedanken, zusammengefaßt. (Genaugenommen ist die Parapsychologie die Lehre von diesen Erscheinungen bzw. ihre Untersuchung, Erforschung.)

Bei den Menschen, die sich Parapsychologen nennen bzw. sich mit Parapsychologie beschäftigen, gibt es drei Gruppen:

  1. Es gibt Menschen, die sich wissenschaftlich mit solchen Dingen beschäfti-gen. (Siehe  Link am Ende des Textes.)
  2. Es gibt Menschen, die mit philosophischen Methoden an diese Erscheinun-gen herangehen, bzw. im Rahmen eines philosophischen Systems diese Erscheinungen zu erklären suchen. (Z. B. James, Driesch.)
  3. Es gibt Menschen, die sich nichtwissenschaftlich und nichtphilosophisch mit diesen Dingen beschäftigen: Okkultisten, Spiritisten und andere Gläubi-ge. Unter ihnen leider auch viele Scharlatane und Geschäftemacher.

Da die dritte Gruppe zahlenmäßig weit größer ist als die erste und zweite, hat der Begriff Parapsychologie bei vielen Wissenschaftlern und Philosophen einen schlechten Ruf.

Einige parapsychologische - genauer "parapsychische" - Phänomene werden so häufig berichtet, daß ich es für zu leichtfertig halte, sie einfach als Phantastereien abzutun. (Z. B. die spontane Telepathie zwischen gefühlsmäßig eng verbundenen Menschen, wenn einer von ihnen in eine existentielle Gefahr gerät.) Ich halte es deshalb für legitim und notwendig, die Beschäftigung mit solchen Erscheinungen nicht nur den Nichtwissen-schaftlern und Nichtphilosophen zu überlassen.

Ich zähle mich zur zweiten Gruppe. Ich mache Erklärungsversuche im Rahmen einer  idealistisch-dialektischen Welt-, bzw. Seinserklärung, aber ohne jeden Absolutismus und Dogmatismus.

Folgende Gedanken sind besser zu verstehen, wenn man meine Aufsätze "Kritik des philosophischen Materialismus" und "Gedanken zur Dialektik" kennt.

Wenn ich einmal davon ausgehe, daß Raum und Zeit nicht unabhängig von meinem Geist existieren, daß das menschliche Bewußtsein etwas nichträumliches und nichtmaterielles ist, das nicht einmal, jedenfalls nicht zur Gänze, der Kausalität und der Gesetzmäßigkeit unterworfen ist, daß die individuellen Bewußtseins Teile eines alles umfassenden Weltbe-wußtseins sind, daß die Trennung von Subjekt und Objekt, Ich und Du, Geist und Materie kein Absolutum darstellt, daß es außer der Seinssphäre meines Wachbewußtseins auch noch andere Seinssphären von ganz anderer Qualität gibt, die vielleicht in die Seinssphä-re meines Wachbewußtseins hineinreichen, dann ergeben sich folgende Möglichkeiten zur Erklärung parapsychologischer Phänomene:

Wenn die Welt eine Phantasie, ein Traum des  Weltgeistes ist, dann wäre die ein-fachste Erklärung für parapsychologische Ereignisse, daß in einem Traum halt alles möglich ist.

Aber soweit mein Erkenntnisvermögen reicht, scheint es Kausalität und Gesetzmäßigkeit in der Welt meines Wachbewußtseins zu geben, die ich und andere nicht so einfach mal außer Kraft setzen können. Der Weltgeist scheint nach gewissen Regeln zu "phantasie-ren".

Da diese Regeln aber letztlich kein Absolutum darstellen, bzw. wir noch bei weitem nicht alle dieser Regeln kennen, kann es zuweilen zu einer spontanen oder gezielten Überwin-dung der uns bekannten Regeln kommen.

Die materielle Welt ist nur ein Teil der Welt und des Seins. Nicht alles, was in der Welt meines Wachbewußtseins abläuft, muß sich materiell, das heißt naturwissenschaftlich erklären lassen. Ich halte es durchaus für möglich, daß sich parapsychologische Ereignisse irgendwann einmal naturwissenschaftlich erklären lassen, zum Beispiel durch die Entdeckung von bisher unbekannten Strahlungen oder Materieformen, aber es ist auch möglich, daß die parapsychologischen Phänomene rein geistiger Natur sind und nie naturwissenschaftlich erfaßt werden können.

Telepathie ist die spontane oder gezielte Überwindung der Trennung von zwei nichträumli-chen und nichtmateriellen individuellen Bewußtseins, die in einer anderen Seinssphäre oder in einer anderen Wirklichkeit Teile eines Weltbewußtseins sind, bzw. die aus einer anderen Betrachtungsweise ein und das selbe Bewußtsein sind. Etwas, das nichträum-lich und nichtmateriell ist, kann auch nicht räumlich oder materiell getrennt sein. Neben der uns bekannten Art der Informationsübermittlung über die Sinne wäre auch eine rein geistige möglich, die sich jeder naturwissenschaftlichen Erklärung entzieht.

Präkognition und Retrokognition wäre dann nicht mehr so erstaunlich, wenn man Zukunft und Vergangenheit nicht als etwas objektives, sondern als etwas subjektives ansieht, als Abstraktionen unseres Verstandes. Veränderungen laufen objektiv nicht im Rahmen von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ab, sondern alle erinnerten, gegenwärtigen und erwarteten Zustände sind gleichzeitig oder zeitlos vorhanden, nur daß sie uns in unterschiedlichen Erlebnisformen bewußt sind. Was sich ändert, wären so betrachtet nicht die objektiven Zustände, sondern die subjektiven Bewußtseinsinhalte. [1]


Parapsychologie im Internet:


Anmerkungen

Anm. 1: Als ich diese Erklärungen erstmals entwickelte - das war 1986/87 -, besuchte ich gerade Vorlesungen und Seminare zur "Parapsychologie" an der Universität Freiburg i. Br. Der offizielle Name des betreffenden Instituts lautete "Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene". (Das Institut scheint inzwischen aufgelöst zu sein. In oben verlinkter Gesellschaft sind einige der damaligen Mitarbeiter vertreten.) Bei den Mitarbeitern dieses Instituts handelte es sich um "Animisten". D. h., sie bemühten sich darum, parapsychologische Phänomene naturwissenschaftlich zu erklären. (Animismus) Dagegen versuchen die "Spiritisten" solche Phänomene religiös-mystisch bzw. okkult zu erklären. Mit meinem dialektisch-idealistischen Erklärungsangebot bin ich nicht unbedingt auf Gegenliebe gestoßen. Zurück zum Text


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