Phantasie – Einbildungskraft


Phantasie und Philosophie

Phantasie oder Fantasie [1] (von gr. phantasia) – in philosophischer Literatur und Wörterbüchern auch häufig unter dem Stichwort »Einbildungskraft« –, bedeutet die Fähigkeit sich in Gedanken etwas vorzustellen, losgelöst von konkreten Empfindungen, Wahrnehmungen, Erinnerungen etc. Dabei kann man sich etwas vorstellen, was schon mal wahrgenommen, empfunden etc. wurde, oder auch Vorhandenes umformen und etwas völlig Neues hervorbringen.

Am Anfang aller Philosophie, Wissenschaft, Technik, Kunst, Religion etc. steht die Phantasie. Ohne die Fähigkeit zur Phantasie wären wir wahrscheinlich nicht wesentlich mehr als Herdentiere.

Beginnt auch alle menschliche Kreativität mit Phantasie, so dürfen einige Aktivitäten nicht allein bei der Phantasie bleiben. In alle Denkprozesse fließt Phantasie ein, aber das Denken muss in Wissenschaft und in großen Teilen der Philosophie die Oberhand behalten.

In der Philosophie hat die Phantasie eine sehr große Bedeutung. Ohne sie gebe es viele philosophische Systeme, Lehrsätze etc. nicht. Dies wird von einigen Philosophen, z. B. von vielen Vertretern der Analytischen Philosophie, kritisiert.

Intuition wird des Öfteren fälschlich für Phantasie gehalten. Von Menschen die eine bestimmte intuitiv gewonnen Einsicht nicht nachvollziehen können.


Phantasie bei verschiedenen Philosophen

Bei Aristoteles steht die Phantasie zwischen Wahrnehmung und Denken.

Bei Leibniz, Wolff und Kant steht Phantasie zwischen Sinnlichkeit und Verstand.

Kant unterscheidet reproduktive und produktive Einbildungskraft. Die reproduktive Einbildungskraft reproduziere Eindrücke von außen, die produktive Einbildungskraft bewirke eine apriorische Ordnung, bilde den Stoff, den die Sinne liefern zur Einheit und mache Erfahrung, Erkenntnis überhaupt erst möglich.

Bei Schelling soll die Phantasie zwischen Endlichem und Unendlichem vermitteln.

In der Ästhetik bedeutet Phantasie aus Erinnerungen, Vorstellungen, Gedanken etc. spontan schöpferisch Neues zu schaffen.


Kritisches zu Phantasie

Wenn Menschen versuchen, gesellschafliche Phantasien zu verwirklichen, dann kann das schlimme Folgen haben. im 20. Jahrhundert waren Kommunismus und Faschismus schlimme Beispiele. Von einer besseren Welt träumen, aber nicht dogmatisch und totalitär werden.


Zitate zu Phantasie

Albert Camus: »Die Phantasie tröstet die Menschen über das hinweg, was sie nicht sein können, und der Humor über das, was sie tatsächlich sind.«

Albert Einstein: »Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.«

Denis Gaultier: »Phantasie ist die einzige Waffe im Krieg gegen die Wirklichkeit

Friedrich Karl von Gerok: »Holde Freundin Phantasie, // bleibst du mir zugegen, // fehlt ein tröstlich Licht mir nie // auch auf dunklen Wegen.«

Jean Giraudoux: »Die Phantasie trainiert man am besten durch  juristische Studien. Nie hat ein Dichter die Natur so frei ausgelegt wie ein Jurist die Wirklichkeit

Goethe: »Die Einbildungskraft ist ein schönes Vermögen, nur mag ich nicht gern, wenn sie das, was wirklich geschehen ist, verarbeiten will. Die luftigen Gestalten, die sie erschafft, sind uns als Wesen einer eigenen Gattung sehr willkommen; verbunden mit der Wahrheit bringt sie meist nur Ungeheuer hervor und scheint mir alsdann gewöhnlich mit dem Verstand und der Vernunft im Widerspruche zu stehen.«

Christian Friedrich Hebbel: »Allegorie entsteht, wenn der Verstand sich vorlügt, er habe Phantasie.« »Phantasie ist nur in Gesellschaft des Verstandes erträglich.«

Johann Gottfried von Herder: »Nichts hat der Mensch in sich so sehr zu bezähmen wie seine Einbildungskraft, die beweglichste und zugleich die gefährlichste aller menschlichen Gemütsgaben.«

Joseph Joubert: »Einer, der Phantasie hat, doch kein Wissen, besitzt Flügel, aber keine Beine.«

Immanuel Kant: »Wir spielen oft und gern mit der Einbildungskraft; aber die Einbildungskraft spielt eben so oft und bisweilen sehr ungelegen auch mit uns.« »Phantasie ist unser guter Genius oder unser Dämon.«

Erich Kästner: »Wenn einer keine Angst hat, hat er keine Phantasie.« »Phantasie ist eine wunderbare Eigenschaft, aber man muss sie im Zaum halten.«

Stanislaw Jerzy Lec: »Phantasie und Lüge sind zweierlei.«

Thomas Mann: »Welch eine herrliche Gabe ist nicht die Phantasie, und welchen Genuss vermag sie zu gewähren!« »Phantasie haben heißt nicht, sich etwas auszudenken, es heißt, sich aus den Dingen etwas zu machen.«

Nietzsche: »Der Phantast verbirgt die Wahrheit vor sich selbst, der Lügner vor allen.«

Jean Paul: »In phantasiereichen Menschen liegen, wie in heißen Ländern oder auf Bergen, alle Extreme eng beieinander.«

Wilhelm Raabe: »Ein Mensch ohne Phantasie ist wie ein Vogel ohne Flügel.«

Arthur Schopenhauer: »Alles Urdenken geschieht in Bildern: darum ist die Phantasie ein so notwendiges Werkzeug desselben, und werden phantasielose Köpfe nie etwas Großes leisten, – es sei denn in der Mathematik.« »Zum Leitstern seiner Bestrebungen soll man nicht Bilder der Phantasie nehmen, sondern deutlich gedachte Begriffe.« »Ein geistreicher Mensch hat in gänzlicher Einsamkeit an seinen eigenen Gedanken und Phantasien vortreffliche Unterhaltung.«

Friedrich Schiller: »Alles wiederholt sich im Leben, // Ewig jung ist nur die Phantasie. // Was sich nie und nirgends hat begeben, // Das allein veraltet nie!«

Friedrich Schleiermacher: »Die Phantasie aber ist das eigentlich Individuelle und Besondere eines jeden.«

Carl Spitteler: »Phantasie ist die schönste Tochter der Wahrheit, aber etwas lebhafter als die Mama.«

Jules Verne: »Alles, was ein Mensch sich vorstellen kann, werden andere Menschen verwirklichen.« [Leider!]

Jakob Wassermann: »Wir können der Wirklichkeit nicht habhaft werden. Sie muss gestutzt, gekürzt, geknetet, ja, sie muss umgeglüht werden, und der Ofen, in dem die Umglühung vorgenommen wird, ist die Phantasie.« [Was wir als Welt erleben, ist unser Produkt. Trotzdem sollte man Phantasie und Wirklichkeit unterscheiden können.]


Sprichwort aus Indien: »Sorgen sind ein Missbrauch der Phantasie.«


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Anmerkungen

Anm. 1: Phantasie und alle damit verwandten Begriffe wie phantasieren, phantastisch u. v. m. findet man sowohl mit »ph« wie mit »f« am Anfang. Ich habe mich wegen der altgriechischen Herkunft für »ph« entschieden. Zurück zum Text


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