Welche Bedeutung Sokrates in der Philosophiegeschichte hat, läßt sich daran erkennen, daß alle Philosophie vor ihm "vorsokratisch" genannt wird. Da Sokrates selbst keine Schriften hinterlassen hat, ist es ein Problem, seine eigenen Vorstellungen von denen zu trennen, die
Platon in seinen Dialogen den platonisch idealisierten Sokrates äußern läßt. Mehrheitlich gehen die Fachleute davon aus, daß in den
frühen Dialogen Platons die Lehren des Sokrates weitgehend authentisch dargestellt werden, in den darauf folgen-den Dialogen dann allerdings die Figur Sokrates die Auffassungen Platons vertritt, die von denen des Sokrates in vielen Punkten stark abweichen.
Sokrates hatte mit den Sophisten, die zu seinen Leb- und Schaffenszeiten im antiken Griechenland eine große Bedeutung hatten, manches gemeinsam und wurde oft für ein Sophist gehalten, obwohl es auch vieles gab, was ihn von den Sophisten unterschied. Wie die Sophisten beschäftigte er sich nicht mit der Natur, wie die meisten Vorsokrati-ker, sondern sein Interesse galt den Menschen, ihrem praktischen Leben, ihrer Ethik und ihren Erkenntnismöglichkeiten.
- gebären. Er wolle lediglich anderen dabei helfen, die Unschlüssigkeit ihrer Auffassungen zu erkennen.
) als einen ergebnisoffenen Erkenntnisprozeß.
Der Satz "Ich weiß, daß ich nichts weiß." ist falsch. (Ob Sokrates diesen Satz so gesagt hat, ist umstritten. Deshalb ist dies vielleicht eher eine Kritik der allgemeinen Sokrates-Darstellung als des Sokrates selbst.) Besser wäre die Formulierung: "Ich weiß vieles nicht." Oder "Ich glaubte, etwas zu wissen, und habe nun erkannt, daß ich es nicht wußte." Aber diese Sätze beinhalten nicht, daß ich überhaupt nichts weiß. Ich weiß z. B. die Existenz des Textes, den ich gerade schreibe. Ich kann darüber Nachdenken, was für eine Art von Wissen mein Wissen ist. Ist es subjektiv, objektiv, relativ, absolut etc.? (Näher beschäftigt habe ich mich mit den verschiedenen "Wahrheiten" u. a. im 8. Kapitel "Meiner Philosophie".) Welche Tragweite, Geltungsgebiete, Bedeutung hat mein Wissen? Dann ist man in der Erkenntnistheorie. Diese Gedanken sind etwas ganz anderes als die schlichte und falsche Feststellung "Ich weiß, daß ich nichts weiß." Ich will die Leistung des Sokrates für die Philosophie nicht abwerten, aber schon Cusanus sagte: "Nichts gibt es in dieser unserer Welt, was nicht noch genauer gefaßt werden könnte." (Zitiert nach Hirschberger 3, S. 219.)
Sokratische Schulen
Wie üblich, wenn der Meister tot ist, interpretieren ihn seine Schüler unterschiedlich, knüpfen an verschieden Punkten seiner Lehren an und gehen verschiedene Wege. Die Sokratischen Schulen werden so genannt, weil sie von Sokratikern begründet wurden, bzw. von Leuten, die sich als Sokratiker verstanden, von anderen aber nicht unbedingt als solche angesehen wurden. Einige wurden auch zu den Sophisten gezählt. Früher wurde auch der Platonismus als eine sokratische Schule angesehen, Platon als legitimer Nachfolger des Sokrates und als Fortführer seiner Philosophie betrachtet. Heute gehen die Fachleute mehrheitlich davon aus, daß nur der frühe Platon ein Sokratiker war.
stünde, das Verhältnis zwischen Darstellung und Kritik angeblich unausgewogen sei. Für die meisten meiner Texte trifft dies nicht zu. Aber es ist durchaus eines meiner Hauptanlie-gen, Unschlüssigkeiten aufzuzeigen. Allerdings bin ich nicht Sokrates und betreibe keine Hebammenkunst. Die Philosophen, die ich kritisiere, sind fast alle tot. Bei ihnen selbst ist nichts mehr zu (be)heben.
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