Heraklit - Das ewige Werden - Die Begründung der Dialektik
Heraklit, aus der Stadt Ephesos in Kleinasien (heutige Westtürkei), lebte im 6./5. Jahr-hundert v. u. Z. Er verachtete die Mehrheit der Menschen, lehnte die Demokratie ab und war im Alter Einsiedler. Heraklit sah ein Einheitliches hinter der Vielheit, aber keinen Stoff, sondern ein Gesetz, den logos. Er Begründete die dialektische Entwicklungslehre. Das konträren oder polaren Zusammenspiel gegensätzlicher Kräfte verursache ständige Veränderungen. Der Krieg sei der Vater aller Dinge. (Wobei man dies nicht im wörtlichen Sinne verstehen muß.) Jedes Ding setze sich aus gegensätzlichen Eigenschaften zusammen.
Im Gegensatz zu
Parmenides betont Heraklit das ständige Werden und Vergehen der Dinge. Heraklit steht am Beginn des Aktualismus. [Für die Welt meiner Erscheinungen bzw. Erlebnisse trifft dies zweifellos zu. Ob es für das Sein schlechthin, bzw. für alle Teile des Seins zutrifft, ist eine andere Frage. Heraklit fehlt hier, wie später Hegel, die meiner Ansicht nach nötige skeptische Distanz zu den eigenen Überzeugungen.]
In der Neuzeit haben besonders Hegel und Nietzsche an Heraklit angeknüpft, allerdings in ganz unterschiedlicher Weise. Leider sind von Heraklit, der eine ähnlich umfassende Schriftstellerei betrieben hat wie Platon und Aristoteles, nur wenige Äußerungen überliefert. Wäre mehr von seinen Schriften erhalten geblieben, würde man ihn in seiner Bedeutung wahrscheinlich den beiden an die Seite stellen. (So wird es jedenfalls häufig von Kennern der antiken Philosophie gesagt.)
Zitate: "Ich beriet mich bei mir selbst. ... Es gibt nur eine Weisheit: ein vertrautes Verhältnis zu der Einsicht, nach der überall alles gelenkt wird. ... Der Gott ist Tag-Nacht, Winter-Sommer, Krieg-Frieden, Sättigung-Hunger. ... Verbindungen: Ganzheiten und keine Ganzheiten, Zusammentretendes - Sichabsonderndes, Zusammenklingendes - Auseinanderklingendes; somit aus allem eins wie aus einem alles. ... Das Widerstrei-tende zusammentretend und aus dem Sichabsondernden die schönste Harmonie. ... Krieg ist von allem der Vater, von allem der König. ... Krankheit macht Gesundheit angenehm und gut, Hunger Sättigung, Ermüdung das Ausruhen. ... Meer: das sauberste und zugleich das verfaulteste Wasser, für Fische trinkbar und lebenerhaltend, für Menschen nicht trinkbar und tödlich. ... Auf der Peripherie des Kreises fallen Anfang und Ende zusammen. ... Der Weg hinauf und hinab ist ein und derselbe. ... Kaltes wird warm, Warmes kühlt sich ab, Feuchtes trocknet, Trocknes wird feucht. ... Dasselbe ist: lebendig und tot und wach und schlafend und jung und alt. Denn dieses ist umschlagend in jenes und jenes umschlagend in dieses. ... In dieselben Flüsse steigen wir und steigen wir nicht, wir sind (es) und wir sind (es) nicht. ... Dem Gott ist alles schön und gut und gerecht; die Menschen aber haben das eine als ungerecht, das andere als gerecht angesetzt. ... Schweine fühlen sich wohler im Kot als im sauberen Wasser. ... Einer gilt mir unzählige, so er der Ausgezeichnetste ist. ... Eins vor allem anderen wählen sich die Besten: den ewigen Ruhm vor den sterblichen Dingen; die große Menge aber ist gesättigt, wie das Vieh."
(Quelle: Mansfeld, Jaap, Die Vorsokratiker, Griechisch/Deutsch, Philipp Reclam Jun. Stuttgart 1987)