Egoismus

Egoismus (von lat. ego): Selbstsüchtiges, eigennütziges Verhalten. Philosophische Vertreter eines konsequenten Egoismus sind z. B. Stirner und De Sade. Dem Egoismus steht entgegen der Altruismus.

Den Menschen den Egoismus völlig abgewöhnen zu können, war die Illusion der Urchris-ten, der Kommunisten und einiger weniger bekannter religiöser, philosophischer und politischer Bewegungen. Genauso wahr ist aber, daß überindividuelle Werte einen sehr starken Stellenwert im Menschen haben können und sein Fühlen und Verhalten so stark bestimmen, daß der Egoismus weitgehend überflügelt wird. [1]

Logischer oder methodischer Egoismus: Eine erkenntnistheoretische Position, die von der unbezweifelbaren Existenz des Ichs ausgeht und von hier versucht, Erkenntnisse zu gewinnen. Sehen Sie hierzu Subjektivismus und Solipsismus.

[Ich unterscheide zwischen primärem und sekundärem Egoismus: "Der primäre Egois-mus resultiert daraus, daß jeder Menschen in der Welt seiner Erlebnisse gefangen ist. Jeder Mensch folgt in seinem Handeln seinem Willen, versucht seine Bedürfnisse zu realisieren und tut aus dieser Sicht alles für sich, nie für andere, auch wenn sein Handeln anderen nützt. Jeder Mensch tut grundsätzlich, erstens was er tun will, zweitens was er tun kann und drittens wofür er die Konsequenzen zu tragen bereit ist. (Die Konsequenzen werden allerdings häufig nicht vorausgesehen bzw. falsch eingeschätzt.) Dieser primäre Egoismus wäre nur überwindbar durch die Überwindung des Egos, durch die Auflösung der Einzelexistenz. [...] Der sekundäre Egoismus ist das, was man in der Umgangsspra-che unter Egoismus versteht, also ein Handeln, das einem selbst oder nur einem selbst nützt. Wenn ich das Wort Egoismus ohne Zusatz verwende, dann meine ich damit immer diesen sekundären Egoismus." (Auszug aus "Meiner Philosophie".)]


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Anmerkungen

Anm. 1: Anders ließe sich z. B. gar nicht erklären, warum in den beiden Weltkriegen zig Millionen Menschen an die Fronten marschiert sind - ohne auch nur den Versuch zu machen, sich dem zu entziehen - und dort für ihre jeweiligen Vaterländer gestorben sind. So schlimm das ist, es ist ein Zeichen, daß die Dominanz des Egoismus nicht unab-wendbar ist. Die Frage ist: Wenn man den  Nationalismus wegen seiner schrecklichen Begleiterscheinungen ablehnt, was für überindividuelle Werte sollen an seine Stelle treten?  Comte wollte die Menschheit als Ganzes zum Gegenstand der Verehrung machen. Das hat sich bisher aber nicht durchgesetzt. In der gegenwärtigen Phase der Entwicklung unserer Gesellschaft ist eines der Hauptprobleme das Schwinden überindi-vidueller Werte und ihr Ersatz durch Egoismus. Hier liegt der Hauptgrund für den Abbau des Sozialstaates. Nicht in Staatsverschuldung, veränderter Altersstruktur etc. Das ist alles nicht causa, das ist occasio. Bestenfalls Sekundärursachen, meistens sind es einfach nur Vorwände. Zurück zum Text


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