Reich fragte nun, warum die Sexualität von der Gesellschaft unterdrückt wird. Die augen-blicklichen patriarchalischen Herrschafts- und Ausbeutungsverhältnisse machten die Sexualunterdrückung notwendig. Die Sexualunterdrückung stehe nicht am Anfang des Kulturprozesses, (wie
Freud annahm), sondern am Beginn der Klassenspaltung. Durch die moralische Hemmung der natürlichen Geschlechtlichkeit (und die daraus entstehen-den psychischen Störungen) würden die Menschen ängstlich, scheu, autoritätshörig, gehorsam und erziehbar gemacht. Sie schüfe einen Menschen, der sich widerspruchslos beherrschen und ausbeuten lasse.