Entstehung, religiöse Auffassungen, religiöse Praxis
Das Judentum ist die Mutterreligion des Christentums und des Islams. Mich interessiert im folgenden besonders das am Judentum, was in diesen beiden Weltreligionen seine Spuren hinterlassen hat, und was das Judentum von denen in Indien entstandenen Religionen unterscheidet. (Siehe hierzu Brahman-Atman Lehre, Buddhismus und Hinduis-mus.)
Die Schreibweise von Personen, Orten, Texten etc. ist in der Literatur unterschiedlich.
ist verwerflichste Sünde. In der späteren Entwicklung des Judentums hat es allerdings, wie im Christentum auch, Richtungen gegeben, die die Einheit Gottes mit der Welt und den Menschen behaupteten, bzw. die behaupteten, daß eine solche Einheit erreichbar sei. (Siehe hierzu "
".) So entwickelte sich z. B. um 1200 herum mit dem
. (Hauptwerk: Sohar, das ist eine Erläuterung zum Pentateuch in aramäischer Sprache.) Diese Auffassungen wurde aber mehrheitlich immer abgelehnt.]
Polarität gut - böse: Durch Einfluß des persischen Zoroastrismus entstanden um 6./5. Jahrhundert v. u. Z. auch bei den Juden die Polarität gut - böse, Gott - Teufel. Gut ist, was Gott will. Böse, also Sünde, ist, was Gott nicht will. Ein anderes Kriterium gut und böse zu unterscheiden, gibt es nicht.
[Im Gegensatz zu den Zoroastristen blieben die Juden Monotheisten. Der Gegenpol zu Gott (= gut) ist hier der Teufel (= böse), ein letztlich Gott gegenüber unmächtiger Geist. Damit begann aber das Dilemma, womit die Juden, Christen und Moslems bis heute nicht fertig wurden: Warum läßt der allmächtige und allgütige Gott das Wirken des Teufels zu? Auf philosophischem Gebiet führte dies u. a. zu den Diskussionen um die
. Eine Antwort darauf läßt sich auf dem Boden jüdischer, christlicher und islamischer Dogmen nicht finden. Sehen Sie hierzu auch
Im Judentum haben sich später viele verschiedene Richtungen entwickelt und es hat auch immer wieder Abspaltungen gegeben. Die Juden waren immer sowohl Religionsge-meinschaft wie Nation (umstritten), sie sind aber keine besondere Rasse. Seit ca. 2000 Jahren leben sie in aller Welt verstreut (Diaspora) und haben als Minderheit viel zu leiden gehabt. Die Nazis haben ca. 6 Mio. Juden ermordet. Gegenwärtig bekennen sich ca. 17 Mio. Menschen zum Judentum. Davon leben ca. 7,2 Mio. in den USA (2,4 Mio. in New York), ca. 3,4 Mio. in Israel und ca. 3 Mio. in der GUS (= Rußland und die anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion). (Zahlen vom Anfang der 90er Jahre.)
Antisemitismus: Der Begriff "Semiten" ist abgeleitet von "Sem", dem ältesten Sohn Noahs. Die Semiten bilden eine Völker- und Sprachfamilie im Nahen Osten und in Nord-ostafrika. Zu ihnen gehören u. a. die Juden und die Araber. Diese haben gemeinsame Ahnen. (Auch wenn das vielen von denen wohl überhaupt nicht in den Kram paßt.) Als Semiten galten früher in Europa nur die Juden, die als Minderheit unter den Christen lebten. Sie wurde aus wirtschaftlichen, religiösen, politischen, nationalen u. w. Gründen häufig verfolgt, unterdrückt und als Sündenböcke benutzt. Seinen absoluten Höhepunkt fand der Antisemitismus im Massenmord an den Juden durch die Nazis. [So sehr ich den Antisemitismus ablehne, sowenig gefällt es mir, daß der Antisemitismusvorwurf häufig als Totschlagargument gegen Kritiker der israelischen Politik gegenüber den Palestinän-sern benutzt wird, oder wenn jemand auf jüdische Terrorakte im Verlaufe der Gründung des Staates Israel hinweist. Daß Deutsche Politiker und andere in der Öffentlichkeit stehende wichtige deutsche Personen sich auf grund unserer Geschichte bei der Kritik Israels zurückhalten, ist verständlich und wünschenswert. Aber es muß den Nachgebore-nen möglich sein unvoreingenommen die Gegenwart und die Geschichte zu betrachten.]
Chassidismus: Ursprünglich eine im 13. und 14. Jahrhundert im Judentum vorhanden mystische Strömung, die später im
Kabbalismus aufging, im Unterschied zu diesem aber Gott und seine Manifestationen trennte, mehr kontemplativ als spekulativ war, eine größere Popularität besaß und stärker auf die Frömmigkeit wirkte. Später entstand unter diesem Namen eine religiös-mystische Strömung im Ost-Judentum, die heute noch in Israel und Amerika besteht und zu den konservativsten Kräften im Judentum zählt. Die Anhänger des Chassidismus vertrauen auf die absolute Gottherrlichkeit, die überall vorhanden sei. In dieser Strömung gibt es sowohl einen sozialen Zug, wie auch einen sektiererischen. Praktiziert wurde eine Abgrenzung von der Umwelt, eine Ablehnung der
Aufklärung, eine Begrenzung auf bestimmte Lehrinhalte und Berufe. Martin Buber hat an gewisse Aspekte des Chassidismus angeknüpft und viele seiner Schriften gesammelt, übersetzt und herausgegeben.