Der Strukturalismus vernachlässigt die sinnlich feststellbaren Tatbestände zu Gunsten von zumindestens zum Teil sinnlosen Abstraktionen. Man kann mit der strukturalen Methode durchaus bisher unbekannte Strukturen aufdek-ken und sinnvolle Erkenntnisse produzieren, die nicht nur unser Wissen vergrößern, sondern z. T. auch im praktischen Leben verwertbar sind. Man kann sich aber auch - wie viele Strukturalisten, besonders aber die Poststrukturalisten, demonstrieren - dermaßen von der Realität entfernen, daß man Theorien hervorbringt, die vom praktischen oder naturwissenschaftlichen Standpunkt aus betrachtet, absolut verrückt sind, z. B. wenn die Wirklichkeit auf Sprache reduziert wird, alle Probleme zu Sprachproblemen werden.
Daß Einzelerscheinungen sich (oft) erst durch ihre Stellung in einem größeren Zusam-menhang erklären lassen, ist eine Teilwahrheit. Einzelerscheinungen stellen aber häufig selbst bereits schon einen größeren Zusammenhang dar. Das Teil ist für sich allein teilweise bereits erklärbar. Außerdem interessiert sich der Strukturalismus ja letztendlich überhaupt nicht für die Erklärung der Teile aus ihrem Zusammenhang mit anderen Teilen. Es geht ihm nur um die Struktur. [1]
Struktualismus im Internet:
Anmerkungen
Anm. 1:
Noch einiges zum Verhältnis des Ganzen und der Teile unabhängig von der Kritik am Strukturalismus:
Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. Das ist bereits eine Grundaussage der Dialektik. In der Natur hat jedes Teil eines Ganzen eine spezifische Funktion, die nur im Ganzen ein Sinn hat. (Bei einer Pflanze oder einem tierischen Organismus.) Eine Leber allein könnte nicht überleben (wozu auch?). Erst in einem Körper hat sie einen Sinn und eine Existenzgrundlage. (Soweit ihr Inhaber kein Alkoholiker ist ;-)) Technische Produkte sind nicht auf die Summe ihrer Komponenten reduzierbar. Einzelne Teile eines Flugzeu-ges könnten nicht fliegen.
Diese Auffassung sollte aber nicht in alle Existenzbereiche übertragen werden. Sonst ist der einzelne Mensch nämlich auch nur noch von Bedeutung als Teil der Gesellschaft, des Volkes, der historischen Epoche etc. Einige politische und philosophische Lehren haben dies so gesehen, bzw. praktiziert. (Hegel, Stalinismus, Faschismus.)
Die Gesellschaft ist mehr als die Summe der sie bildenden Individuen. Kein Mensch könnte allein den materiellen Lebensstandart schaffen, der in den reichen Ländern der Welt den Durchschnitt darstellt. Kein Mensch kann das Wissen haben, das die Menschheit als Ganzes hat. Nichts desto trotz hat der Einzelne einen Wert. Wer es anders sieht, sollte sich einfach mal vorstellen, er selbst sei völlig bedeutungslos und nur als Glied eines höheren Zusammenhangs sinnvoll.
Ein einzelner Mensch hat oft Probleme, die sich nicht durch Analyse der Strukturen, in die er eingebettet ist, beheben lassen. Hier ist eine ähnliche Kritik angebracht, wie bei Hegels Überbewertung des Allgemeine gegenüber dem Besonderen, Einzelnen.
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