und dialektischen Gesetze auch nur aufgrund von Widersprüchen existieren, ist allerdings eine andere Frage. Ob es sich bei der
unserer Erscheinungen (oder wie man das auch immer nennen will) ist meiner Ansicht nach nicht erkennbar.]
Notwendigkeit und Zufall: Ob etwas notwendig oder zufällig ist, sei immer eine Frage der Betrachtung, des Bezugsrahmens. [Innerhalb eines deterministischen Weltbildes ist aus der Makroperspektive alles notwendig. Wenn aber alles notwendig ist, dann ist auch wiederum alles zufällig. Zufälligkeit und Notwendigkeit bedingen einander. Innerhalb eines bestimmten Bezugsrahmens ist etwas zufällig, bezogen auf anderes, was innerhalb dieses Bezugsrahmens notwendig ist. Ändert sich der Bezugsrahmen, ändert sich auch die Beurteilung.]
Neu bei Hegel ist allerdings das dialektische: Subjektiver Geist und objektiver Geist sind identisch und gleichzeitig nicht identisch! [Unterschwellig, unbewußt oder vorbewußt war diese Dialektik aber auch früher bereits vorhanden.] Das ist eine Äußerung, bei der die Nicht-Dialektiker natürlich verzweifelt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, weil es sich um eine unlogische (im Sinne der
aristotelischen Logik), widersprüchliche Aussage handelt. Aber Hegel hat ja gerade den Anspruch, eine die aristotelische Logik übersteigende dialektische Logik zu entwickeln. [Ich halte diesen Gedanken, der auf den ersten Blick absurd erscheint, für unheimlich genial!]
Logik habe nicht nur Gültigkeit für das Denken, sondern für das Sein schlechthin. Logische Begriffe seien nicht nur Denkgesetze, sondern Wesensheiten. (Hegel ist im Sinne des "Universalienstreits" Realist. "Wesensheit" im Sinne der "Universalie", etwas Reales, nicht nur in Gedanken existierendes.) Logik ist nach Hegel "die Darstellung Gottes, wie er in seinem ewigen Wesen vor der Erschaffung der Natur und eines endlichen Geistes ist." (Zitiert nach Störig, S. 458.) "Die Logik sind die Gedanken Gottes vor der Schöpfung."
Die formale,
aristotelische Logik sei nicht das oberste Prinzip. Gegensätze schlössen sich nicht aus. Ein Denken, das sich logisch oder wissenschaftlich nenne, aber nicht dazu in der Lage sei, die in der Wirklichkeit vorhandenen Gegensätze, Widersprüche zu verarbeiten, sei wertlos. Die formale Logik habe zwar auch eine gewisse Berechtigung, die Dialektik stelle aber eine höhere Stufe der Logik dar.
[Dies ist natürlich nicht der christliche, sondern der pantheistische Gott! So sehr Hegel auch bemüht war, diesem Gott ein christliches Aussehen zu geben. Ich kenne die Bibel nicht gut genug um ein kompetentes Urteil darüber abgeben zu können, ob man die christliche Lehre pantheistisch interpretieren kann. Ich kenne aber die Geschichte des Christentums und des Abendlandes gut genug, um zu wissen, daß die Christen keine Pantheisten waren, pantheistisches Gedankengut unterdrückt, ihre Vertreter oft genug umgebracht wurden.
Zu Hegels Distanzierung vom Pantheismus weiter unten.]
3.2. Objektiver Geist: Das Reich des objektiven Geistes ist bei Hegel Familie, Gesell-schaftssystem und Staat, und die Geschichte der Menschheit, in der sich diese Institutionen entfalten.
Hegels Geschichtsphilosophie ist ein Anhang zur Lehre vom objektiven Geist. Der Geist trete in der menschlichen Gesellschaft in Form überindivi-dueller, objektiver Gesetze auf. Die Lehre vom objektiven Geist nennt Hegel deshalb auch "Ethik". "Der Staat ist die Wirklichkeit der sittlichen Idee." [Schön wär's! Gemeint war der preußische Staat! (Umstritten) Das Reich des objektiven Geistes ist bei Hegel also etwas anderes, als heute häufig darunter verstanden wird, und das
Popper "Objektives Wissen" oder "Welt 3" nennt. Ich benutze den Begriff "objektiver Geist" als Gegenstück zum "subjektiven Geist", wie Brahman und Atman.]
[Unter Philosophie verstand Hegel seine Philosophie. In der hegelschen Philosophie hat sich nach Hegel der Weltgeist zum ersten mal voll und ganz wiedergefunden. Hegel war der Überzeugung, daß seine Philosophie die höchste Existenzstufe des absoluten Geistes sei, die überhaupt möglich ist. Die hegelsche Philosophie ist, nach Meinung Hegels, der Schlußpunkt der Philosophiegeschichte, der Gipfelpunkt allen Philosophie-rens, die absolute Wahrheit letzter Instanz. Soetwas von seinen eigenen Gedanken zu glauben, ist eine Überheblichkeit, die ich nur als geistige Beschränktheit bezeichnen kann! Hier zeigt sich wieder einmal, daß Klugheit und Dummheit in jedem Menschen dicht beieinander liegen (können).]
Ich glaube, der größte Fehler Hegels (abgesehen mal von der fehlenden skeptischen Distanz zu den eigenen Überzeugungen) war, daß er den Kern des Seins mit der Ver-nunft, mit dem Logos gleichsetzte. Dadurch konnte er das Unvernünftige und Schlechte in der Welt nicht erklären. Wenn man den Kern des Seins nicht nur als Vernunft, sondern auch als Kraft, als blinde Energie ansieht, besteht dieses Problem nicht. Der Weltwille Schopenhauers und die Weltvernunft Hegels befinden sich im ewigen Kampf miteinander. Wie im Einzelmenschen Trieb und Vernunft. Ähnlich sieht das Eduard von Hartmann. In religiös/mystischer Form tritt dieser Gedanke schon im persischen Zarathustrismus und in der Spätantike bei den Gnostikern und Manichäern auf. Auch
Aristoteles kommt mit seiner Theorie von "Stoff und Form" der Wahrheit wohl näher. Der Stoff setzt den Formen einen gewissen Widerstand entgegen. Da die Formen, sprich Vernunft, aber das letztlich Entscheidende sind, gibt es einen Fortschritt in der Welt. Ob das wirklich so ist, wird die weitere Welt(all)geschichte zeigen.
Hegelsche Philosophie und Pantheismus: Hegel hat sich vom Pantheismus abgegrenzt, das ändert aber nichts daran, daß er eine pantheistische Philosophie entwickelt hat, sofern man den Kern des Pantheismus in der Einheit von Gott und Sein sieht, von Schöpfer und Geschöpf(t)en etc. Hegel hat eine dialektische Sicht der Identität und gleichzeitigen Nichtidentität von Gott und Sein etc. und unterscheidet sich so von anderen Pantheisten, ohne deshalb aufzuhören, selbst Pantheist zu sein. Nach Hirschberger hat Hegel eine Synthese aus Pantheismus und
Dualismus gezogen, bzw den Versuch unternommen eine solche Synthese zu ziehen. Eine solche Aufhebung des Pantheismus führt nach meiner Überzeugung aber nur zu einem höherem, zu einem dialektischen Pantheismus. Zu Beginn seines Hegel-Kapitels sagt Hirschberger selbst, bei Hegel sei der Urbild-Abbild Gedanke verloren gegangen. Wenn das stimmt (auch hier gibt es ein dialektisches Verhältnis) dann ist damit aber auch der Dualismus von Gott und Welt verloren gegangen. Hegel war nach meiner Überzeugung der pantheistische Philosoph schlechthin. Höchstens noch mit Spinoza vergleichbar. Seine Abgrenzung vom Pantheismus war entweder taktisch oder Blindheit des Subjekt für sich selbst, bzw. für seine geistigen Produkte.
Zur Identität und Nichtidentität: Ich bin im Verlaufe meines Nachdenkens dazu gekommen, daß aus verschiedenen geistigen Blickwinkeln die Dinge, Erscheinungen etc. identisch und gleichzeitig nichtidentisch sind. Zum Beispiel: Materie und Geist sind identisch und gleichzeitig nicht identisch; der Weltgeist und der menschliche Geist sind identisch und gleichzeitig nicht identisch. Keine Aussage ist wahrer als die andere. Die Dialektik ist eine Form menschlichen Denkens, die der zweiwertigen,
aristotelischen Logik überlegen ist. Ob aber das vom menschlichen Denken unabhängig existierende Sein auch dialektisch ist, weiß ich nicht. Es ist vorstellbar, daß es auch noch der Dialektik überlegene Denkformen gibt, zu denen aber der Mensch nicht fähig ist.
"Hegel, ein platter, geistloser, ekelhaft-widerlicher, unwissender Scharlatan, der, mit beispielloser Frechheit, Aberwitz und Unsinn zusammenschmierte, welche von seinen feilen Anhängern als unsterbliche Weisheit ausposaunt und von Dummköpfen richtig dafür genommen wurden, ... hat den intellektuellen Verderb einer ganzen gelehrten Generation zur Folge gehabt." Schopenhauer - (Zitiert nach Weischedel, S. 109.)