Was Menschen für gerecht und ungerecht halten, hat also einerseits etwas zu tun mit ihren Bedürfnissen, oder, um ein anderes Wort zu verwenden, mit ihren Interessen, und mit ihren Idealen. Das heißt ja nichts anderes, als daß zu den natürlichen und individuel-len Bedürfnissen nun noch das Bedürfnis hinzutritt, sich an bestimmte Wertvorstellungen zu halten. Hätte der Mensch nur Interessen, bzw. würden seine Ideale völlig identisch mit seinen Interessen sein, dann ließe sich nicht erklären, warum Menschen, die satt sind, unglücklich darüber sind, daß andere, weit entfernt lebende Menschen, (ver)hungern, daß freie Menschen sich daran stören, daß andere Menschen unterdrückt werden etc. (Hun-derte weiterer Beispiele wären möglich.) Es ließe sich dann auch nicht erklären, warum es soetwas wie ein "schlechtes Gewissen" gibt. (Ein schlechtes Gewissen entsteht, wenn unsere Interessen, bzw. ein daraus resultierendes Verhalten im Widerspruch zu unseren Idealen steht.)
Es gibt Menschen, die keine über ihren Interessen hinausgehenden Ideale, Werte, ethischen Maßstäbe etc. haben. Diese glauben häufig, daß niemand soetwas hat. Hinter moralischen Vorstellungen verbürgen sich immer Interessen.
Moral sei eine Illusion wie Gott. Ein aufgeklärter Mensch würde den Moralbegriff genauso aufgeben, wie den Gottes-begriff. Es gibt viele Beispiele dafür daß das nicht stimmt. Menschen handeln häufig wider ihren Interessen. Es gibt viele wissenschaftliche Untersuchungen, aus denen hervorgeht, daß der Mensch angeborene altruistische Gefühle hat. Menschen, die solche Gefühle nicht in sich vorfinden, sind "Gefühlskrüppel", so wie
Nietzsche einer war.
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