Peter Möller - Augustinus

Augustinus

Allgemeines: Augustinus (354 - 430). Nach jugendlichen Ausschweifungen Manichäer, dann Skeptiker, dann Neuplatoniker und zum Schluß Christ [was für ein Abstieg!], hat Augustinus die christliche Dogmatik für Jahrhunderte entscheidend geprägt. (Bis zum Aufkommen der Scholastik.) Sein Hauptwerk "Civitas Dei" (Der Gottesstaat) entwickelte sich im 5. und 6. Jahrhundert zu dem theoretische Fundament des Christentums.

Gott über alles: Gotteserkenntnis und Gottesliebe seien die einzigen Ziele, die der An-strengung des Geistes wert seien. Schöngeistige Kultur, Naturwissenschaft, Erkenntnis um der Erkenntnis willen lehnt Augustinus ab. Alles Denken, alles Streben, alles Leben soll ausschließlich auf Gott und damit auf das Jenseits gerichtet sein, denn der christli-che Gott ist ja nicht in der diesseitigen Welt.

Psychologie: Augustinus erforschte die Weiten und die Mannigfaltigkeit der Seele und entdeckte das, was man später einmal Unbewußtsein nennen sollte.

Cogito ergo sum: Die Selbstgewißheit des Denkens sei ein unerschütterlicher Aus-gangspunkt. Wenn ich an allem zweifle, so könne ich nicht bezweifeln, daß ich zweifle.
( Descartes) [Dem stimme ich zu.]

 Objektiver Idealismus: Augustinus lehnte die Vorstellung ab, daß die Welt ein Erzeug-nis des Menschengeistes sei. Es gebe eine vom Menschen unabhängig existierende Wirklichkeit, die Gott geschaffen habe. Wahrheit könne nicht nur durch die Versenkung in das eigene Innere gefunden werden. (Wird in der Literatur unterschiedlich dargestellt.) Einige Sätze lassen eine gewisse Nähe zu neuplatonischen und mystischen Auffassun-gen erkennen. Die späteren christlichen Mystiker haben sich auf Augustinus berufen. (Z. B. Meister Eckhart und Jacob Böhme.)

 Dreieinigkeitslehre: Augustinus beseitigte die letzten Reste des Arianismus, d. h. der Vorstellung,  Jesus sei nicht gottgleich, sondern ein Gott untergeordneter Mittler zwischen Gott und Mensch. Gott bestehe aus drei gleichrangigen Personen. In jeder Person sei der ganze Gott anwesend.

Zeit: Zeit sei nicht von unserem Bewußtsein trennbar. Nur die Gegenwart existiere. Ver-gangenheit und Zukunft seien Erinnerungen und Erwartungen in der Gegenwart. Wir könnten das immer Existierende nur in der Erscheinungsform des Nacheinander erfassen. (Ähnlich wie  Kant.) Für Gott sei alles gleich gegenwärtig. [Ich würde hier sagen, außerhalb des Erlebens eines endlichen Geistes, wie es z. B. der menschliche Geist ist, könnte alles gleichzeitig oder besser zeitlos vorhanden sein.] Zeit könne es nur geben wo eine Welt und damit Veränderung vorhanden sei. Zeit und Welt seien zusammen entstanden. Deshalb unterscheide man zurecht Zeit und Ewigkeit. [In der Beurteilung der Zeit stimme ich mit Augustinus überein, soweit man mal den Gott ausklammert.]

Willensfreiheit und Prädestination: Der Mensch sei seit dem Sündenfall Adams notwen-digerweise sündig. Er könne gar nicht anders als sündigen und den Tod, der Sünde Sold ( Paulus), erleiden. [ Sünde ist nach christlichen Vorstellungen wohl bemerkt, wenn man sich nicht an die willkürlichen Maßstäben Gottes hält.] Gott aber in seiner Barmher-zigkeit und Güte erlöse den Menschen. Aber nicht alle! Einige erlöse er und andere erlöse er nicht. Nach seinem geheimen und weisen Wohlgefallen habe er von vornherein einige für die ewige Glückseligkeit und andere für die ewige Folter bzw. Verdammnis vorherbestimmt (prädestiniert). Fast das Gleiche findet man später bei  Calvin. [Das Augustinus das so gesehen hat, wird hin und wieder bestritten. Dabei geht es meiner Einschätzung nach aber nur darum, daß Menschen ihr Idol verteidigen und offensichtliche Aussagen ignorieren, uminterpretieren oder als unwesentlich abtun. Ich kenne dieses Vorgehen aus der Auseinandersetzung mit Marxisten und Nietzsche-Anhängern.]

Die Kirche hat hierzu eine etwas modifizierte Einstellung zur verbindlichen Kirchenlehre erklärt. Der einzelne Mensch habe von Gott die Freiheit erhalten, sich für das Gute oder Böse zu entscheiden. Allerdings wisse Gott wegen seiner Allwissenheit von vornherein die schließliche Entscheidung jedes Menschen.

[Warum schafft ein allmächtiger und allwissender Gott - der gleichzeitig ein "Lieber" Gott ist - Seelen, von denen er weiß, daß sie in der ewigen Verdammnis landen? Diese Frage sollten sich mal die Christen stellen, die das nach wie vor glauben. Sehen Sie hierzu bitte  "Über die Unschlüssigkeit des christlichen Gottesbildes" und dort die Fußnote zur  "Ungeheuerlichkeit Menschen die ewige Verdammnis anzudrohen.]

Kirche: Die Begnadigten werden den "Staat Gottes" bilden. Die Kirche sei zwar noch nicht dieser Gottesstaat, aber seine Vorbereitung, sein unvollkommenes Abbild. In der Kirche würden die zum Heil Berufenen gesammelt. Außerhalb der Kirche gebe es kein Heil, keine Erlösung. [Mir fällt es schwer, das alles ohne Polemik aufzuschreiben!]

Literatur:

Augustinus im Internet:


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