Der Skeptizismus


 Grundsätzliches zum Skeptizismus
 Der antike Skeptizismus
 Der neuzeitliche Skeptizismus
 Zitate skeptizistischer und nicht-sketizistischer Philosophen



Grundsätzliches zum Skeptizismus

Skeptizismus bedeutet, dass man die Erkenntnis von letzten Wahrheiten prinzipiell für unmöglich hält. Dem Skeptizismus steht entgegen der Dogmatismus. [1]

Es gibt ein Paradoxon des Skeptizismus: Wenn man ihn verabsolutiert, hat man ihn damit gleichzeitig aufgehoben. Es gilt dem Skeptizismus gegenüber auch skeptisch zu bleiben.

Das beste Argument für den Skeptizismus ist die Tatsache, dass sich die Philosophen nach zweieinhalb Jahrtausenden Philosophierens nicht einmal in den Grundpositionen haben annähern können, sondern grundverschiedene sich gegenseitig ausschließende »Wahrheiten« erkannt haben wollen.

Siehe auch Relativismus.


Der antike Skeptizismus


Ältere Skepsis Mittlere Skepsis Jüngere Skepsis
Pyrrhon von Elis
ca. 360 - 270 v. u. Z.
Arkesilaos
3. Jh. v. u. Z.
Ainesidemos
um d. Zeitenw.
Timon von Phleios
ca. 320 - 230 v. u. Z.
Karneades
2. Jh. v. u. Z.
Sextus Empiricus
ca. 200 n. u. Z.


Die Vielfalt der philosophischen Systeme in der Antike: Platoniker, Aristoteliker,  Stoiker,  Epikureer, Eklektiker etc., führte zur Entstehung des antiken Skeptizis-mus. Als Vorläufer dieser Richtung kann man die Sophisten ansehen.

Pyrrhon, der Begründer des klassischen Skeptizismus, sagte, die Meinung der einen Philosophenschule sei um nichts sicherer als die Meinung anderer Philosophenschulen. Für alle Erscheinungen ließen sich verschiedene Erklärungen vorbringen und es sei unmöglich, mit letzter Sicherheit festzustellen, welche Erklärung richtig und welche falsch sei, oder ob nicht sogar alle falsch seien. [Dies ist exakt auch meine Position!]

Epochë: Da wir keine Wahrheit, bestenfalls Wahrscheinlichkeit besitzen, sollten wir uns eines Urteils enthalten.

Timon von Phleios sagte, Sinne (Wahrnehmung) und Verstand (Empirie und Ratio) seien Betrüger. Deshalb seien alle Erkenntnisse relativ. Wenn wir uns im praktischen Leben für etwas entscheiden müssen, so sollten wir es nach folgenden drei Richtpunkten tun:

  1. Wo natürlicher Zwang ist, folgen wir diesem, aber mit dem Wissen, dass dies falsch sein kann.
  2. Wir richten uns nach den  Sitten und Gebräuchen der jeweiligen Gesell-schaft, ebenfalls mit dem Wissen, dass dies falsch sein kann.
  3. Wo auch die fehlen, folgen wir nur unserer Willkür. Aber auch dies kann falsch sein.

Ethik: Die Erkenntnis von der Unerkennbarkeit alles Bestehenden und die daraus folgende Enthaltung von Urteilen sei die Voraussetzung für das praktische Ideal einer heiteren und unerschütterlichen Seelenruhe. Wenn wir uns für nichts begeistern, dann könne uns auch nichts enttäuschen.

[Man sollte sich mit keinem philosophischen System, mit keiner Religion, mit keiner politischen Richtung, mit keinem Volk emotional verbinden, nicht mit der  Menschheit, noch mit Teilen der Menschheit, nicht einmal mit der ganzen Natur oder dem ganzen Sein. Auch nicht mit dem eigenem Ich. Denn auch dieses kann uns enttäuschen. Es bliebe die Gleichgültigkeit allem und jedem gegenüber. Ob das ein Rezept für das gute Leben ist, bezweifle ich allerdings.]

Die jüngere Skepsis stellte die Lehre von den »Tropen« auf: Ein Tropus ist ein Gesichts-punkt, der die Unerkennbarkeit der Wahrheit beweist. Tropen sind z. B.: Die Verschie-denheit der Menschen oder die Verschiedenheit der Erziehung, Sitte, Religion bzw. der philosophischen Überzeugung. (Ähnlichkeit zur späteren  Idolenlehre Bacons.)


Der neuzeitliche Skeptizismus

Als Begründer des neuzeitlichen Skeptizismus gilt Montaigne. Repräsentanten des neuzeitlichen Skeptizismus waren besonders die  französischen und  englischen Aufklärer.


Zitate skeptizistischer und nicht-sketizistischer Philosophen

Nicht alle in der folgenden Liste aufgeführte Philosophen, Wissenschaftler, Schriftsteller etc. waren Skeptizisten. Einige von ihnen waren ausgesprochene Dogmatiker. Die folgen-den Zitaten zeigen, dass viele auch Nicht-Skeptizisten letztlich um die Bedeutung des Skeptizismus wussten und ihm in bestimmten Momenten zustimmten.


Hans Albert: »Wir sind alle nur vorläufig. Wir müssen unsere Auffassungen immer wieder revidieren.« (Zitiert nach »Aufklärung und Kritik« 2/2002. Im Internet)

Denis Diderot: »Skepsis ist der erste Schritt auf dem Weg zur Philosophie.«

Dilthey: »Die Relativität jeder Art von menschlicher Auffassung, ist das letzte Wort der historischen Weltanschauung, alles im Prozess fließend, nichts bleibend.« (Zitiert nach Störig, S. 566)

Engels schrieb im Zusammenhang mit »Herrn Eugen Dührings endgültigen Wahrheiten letzter Instanz« über die Erkenntnisse der Menschen: »Das wertvollste Resultat dürfte dies sein, uns gegen unsere heutige Erkenntnis äußerst misstrauisch zu machen, da wir ja aller Wahrscheinlichkeit nach so ziemlich am Anfang der Menschheitsgeschichte stehen, und die Generationen, die uns berichtigen werden, wohl viel zahlreicher sein dürften, als diejenigen, deren Erkenntnis wir – oft genug mit beträchtlicher Geringschät-zung – zu berichtigen im Falle sind.« (MEW 20/80)

André Gide: »Glaube denen, die die Wahrheit suchen. Und zweifle an denen, die sie gefunden haben.«

Goethe: »Derjenige, der sich mit Einsicht für beschränkt erklärt, ist der Vollkommenheit am nächsten.« »Eigentlich weiß man nur, wenn man wenig weiß. Mit dem Wissen wächst der Zweifel.« Aus: Maximen und Reflexionen

Horkheimer: »Vielleicht ist ein unmächtiges und gequältes Leben, das voll von Güte war, nicht verloren, vielleicht hat es einen ewigen Morgen. Wir können es nicht wissen.« (Aus »Dämmerung«. Zitiert nach Rowohlt Monographie Horkheimer, S. 85.)

Hume: »Bleib nüchtern und vergiss nicht, skeptisch zu sein!«

Joseph Joubert: »Wer seine Meinung nie zurückzieht, liebt sich selbst mehr als die Wahrheit.«

Konfuzius: »Einzugestehen, dass man etwas nicht weiß, ist Wissen.«

John Locke: »Was unser Denken begreifen kann, ist kaum ein Punkt, fast gar nichts im Verhältnis zu dem, was es nicht begreifen kann.«

Konrad Lorenz: »Unsere Arbeitshypothese lautet also: Alles ist Arbeitshypothe-se.« (Zitiert nach dtv-Atlas Philosophie, S. 191.)

Karl Marx, nach dem Motto seines Lebens gefragt: »De omnibus dubitandum.« (MEW 31/597)

Newton schrieb: »Sein und Wissen ist ein uferloses Meer: Je weiter wir vordringen, um so unermesslicher dehnt sich aus, was noch vor uns liegt; jeder Triumph des Wissens schließt hundert Bekenntnisse des Nichtwissens in sich.« (Störig, S. 347)

Nietzsche: »Für die "Wahrheit" sterben. - Wir würden uns für unsere Meinungen nicht verbrennen lassen: wir sind ihrer nicht so sicher. Aber vielleicht dafür, dass wir unsere Meinungen haben dürfen und ändern dürfen.« (Der Wanderer ..., Aphorismus 333.)

Pascal: »Der Mensch ist nichts als ein Wesen voller Irrtum, der natürlich und unaustigbar ist. Nichts zeigt ihm die Wahrheit.« Zitiert nach Weischedel, S. 67

Bertrand Russell: »Es ist ein Jammer, dass die Dummköpfe und Fanatiker immer so selbstsicher sind und die klugen Leute so voller Zweifel.«

Sokrates: »Ich weis, das ich nichts weiß.«

Voltaire: »Zweifel ist keine angenehme Voraussetzung, aber Gewissheit ist eine absurde.«

Zhuang Zhou: »Es ist derjenige am weitesten von der Wahrheit entfernt, der auf alles eine Antwort hat.«


Anmerkungen

Anm. 1: Ich selbst bekenne mich zu einem eingeschränkten Skeptizismus, wie ich in "Meiner Philosophie" und in den Aufsätzen "Gedanken zur Erkenntnistheorie" und "Kurze Zusammenfassung meiner Philosophie" näher erläutert habe. Zurück zum Text


Zur philolex-Startseite


Copyright © by Peter Möller, Berlin.