Spinoza verdiente seinen Lebensunterhalt mit dem Schleifen optischer Gläser. 1677 ist er im Alter von 44 Jahren, wahrscheinlich an Lungentuberkulose, gestorben. Schon zu seinen Lebzeiten verbreitete sich sein Ruhm, obwohl sein wichtigstes Werk, die Ethik, erst in seinem Todesjahr veröffentlicht wurde.
Hauptwerk: Sein Hauptwerk "Ethik, in geometrischer Methode dargestellt" ist nach Art eines mathematischen Werkes abgefaßt. Axiome, Behauptungen, Lehrsätze, Beweise, Folgerungen usw. Es ist von daher nicht einfach zu lesen. Das Buch beschäftigt sich nicht nur mit dem, was wir heute unter Ethik verstehen.
Egoismus: Spinoza hat es nicht für möglich und damit auch nicht für erstrebenswert erachtet, daß der Mensch seinen natürlichen Egoismus überwindet. Der Gedanke, ein Mensch könne sich für einen anderen Menschen aufopfern, erschien ihm absurd. [Damit hat er aber eine menschliche Eigenschaft übersehen, die es neben dem Egoismus eben auch gibt, nämlich das Gemeinschaftsgefühl und was daraus entstehen kann.] "Daß jeder sich liebe, seinen Nutzen, soweit er wahrhafter Natur ist, suche und alles, was ihn zu einer größeren Vollkommenheit führt, erstrebt; überhaupt sein Sein, soviel er vermag, zu erhalten sucht: dies ist sicherlich so wahr wie der Satz, daß das Ganze größer ist als der Teil." (Zitiert nach Störig, S. 327.)
[Zu Spinozas Lebzeiten war das weitgehend so. Heutzutage ist die Macht des Staates über seine Bürger, bei den verschiedenen Staaten in unterschiedlichem Grade, durch Gesetze eingeschränkt. Nur der Naturzustand zwischen den Staaten besteht zu großen Teilen noch heute und wird leider nur im Schneckentempo abgebaut. (UNO, EU, Internationale Konferenzen, Völkerrecht etc.)]
Ich habe den Eindruck, daß sich Spinoza einreiht in die Schar der Lustverächter. Sinnliche, körperliche Bedürfnisse werden als minderwertig oder unwahre Bedürfnisse angesehen. Der Mensch wird primär als Vernunft angesehen und von daher ist vernünftiges Handeln das Oberste. Folgerichtig ist dies allerdings, da der Mensch ja seinem innersten Wesen nach eine Idee im göttlichen Verstand ist. Die Natur und das Gefühl kommt hier zu kurz. Spinoza sieht schon, daß es das gibt, wertet es aber ab.
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