Glück sei nur Schein: Pascal versuchte mit aller Kraft den Menschen diese Paradoxie seiner Existenz vor Augen zu führen. Die Menschen aber ließen sich nicht belehren, daß ihr Glück nur Einbildung sei, und daß sie in Wirklichkeit unglücklich seien. Die Men-schen zerstreuten sich z. B. mit Jagd, Spiel, öffentlichen Ämtern, aber auch mit Wissen-schaft, um an ihre Nichtigkeit, die sie durchaus ahnten, nicht denken zu müssen. Der Mensch sei Größe und Nichtigkeit. Würde sei nur zu erreichen durch Erkenntnis dieser Nichtigkeit und der dann geschenkten Gnade Gottes. Jede Form der Kultur sei eine Flucht vor dieser Erkenntnis.
Jansenismus: Pascal gehörte zur religiösen Bewegung des Jansenismus, so benannt nach Cornelius Jansen. Dieser vertrat wie Augustinus die Auffassung, daß der Mensch aus eigener Kraft völlig unfähig zum Guten sei. Gott allein sei es, der den jeweiligen Menschen erwähle. [Oder eben auch nicht.] Zu dieser Erwählung könne der einzelne Mensch nichts beitragen, er könne sich nur ganz Gott hingeben. So legten die Jansenis-ten größten Wert auf die persönliche Frömmigkeit des Einzelnen. Sie strebten eine tiefe persönliche Liebe zu Gott an und waren in Fragen der Moral sehr streng. So spricht Pascal von der Unbeeinflußbarkeit der göttlichen Gnade. Aber auch von einer unendlichen Ferne zwischen Gott und den Menschen. Die Jansenisten standen mit ihren Auffas-sungen im Gegensatz zu den Jesuiten, die das menschliche Vermögen, gute Werke zu tun, in den Vordergrund stellten. Der Jansenismus wurde letztlich unterdrückt.
Daß der wissenschaftliche Erkenntnisprozeß das "Wozu" des Menschen nicht erklären kann, sehe ich genauso. Aber vielleicht gibt es gar kein "Wozu". Jedenfalls keines, das unabhängig vom Menschen existiert, unabhängig davon, was der Mensch aus seiner Existenz macht. Ganz abgesehen davon, kann man statt religiös zu werden, auch philosophisch werden. Dann kann man seine in der Wissenschaft verwendete Vernunft beibehalten und muß sie nicht religiösen Dogmen opfern.
Zur "Pascalschen Wette": Es gibt viele Einwände gegen die Argumentation Pascals. Ich will hier nur ein paar anführen. Nach Pascal gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder gibt es den christlichen Gott, der wie in der Bibel behauptet, den Glauben an ihn belohnt und Unglaube bestraft oder es gibt keinen Gott. Tatsächlich gibt es aber unzählbar weitere Möglichkeiten. Es könnte z. B. sein, daß es den Gott einer anderen Religion gibt, der alle Menschen, die nicht an ihn glauben, einschließlich der Christen, später in die Hölle steckt. Es könnte auch sein, daß es einen Gott gibt, der kritisches Denken und Skeptizismus belohnt, blinden Glauben oder berechnendes Denken bestraft. Aber selbst wenn es nur die beiden Alternativen gäbe, die Pascal anführt, auch dann könnte man beim Glauben an Gott etwas verlieren: Seine intellektuelle Aufrichtigkeit! Sich selbst und anderen gegenüber. Man kann sich selbst betrügen. Man kann der Hoffnung auf Erlösung sein Erkenntnisvermögen opfern und sich zum Idioten machen. [1]
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