Gottesbeweise sind Versuche, die Existenz Gottes mit Hilfe der Vernunft zu beweisen. Solche Versuche werden fast nur von Leuten unternommen, die an Gott glauben, um denjenigen, die nicht an Gott glauben, die Existenz Gottes zu beweisen. In seltenen Fällen wird es auch so sein, daß eigene Zweifel ausgeräumt werden sollen.
Ontologischer Gottesbeweis: Aus der Existenz des Begriffs bzw. des Gedankens "Gott" wird auf die Existenz Gottes geschlossen.
Anselm von Canterbury argumentierte, Gott sei das, größer als welches nichts gedacht werden könne. Wenn dieser Gott aber nur im menschlichen Geist vorhanden wäre, so ließe sich noch etwas größeres denken als das, größer als welches nichts gedacht werden könne - nämlich Gott als nicht nur im Geist, sondern auch in der Realität vorhanden. Dies sei ein Widerspruch und damit sei die Existenz Gottes bewiesen. Ähnlich argumentierte später
Descartes, bei seinem "1. Gottesbeweis". Er glaubte in sich die Idee eines allervollkommensten Wesens vorzufinden, die er Gott nannte. Diesem Wesen müsse Existenz zukommen, denn sonst wäre es ja nicht vollkommen. (
Meine Kritik am Ontologischen Gottesbeweis.)
Moralischer oder ethikotheologischer [2] Gottesbeweis (mitunter auch deontologischer Gottesbeweis): Nachdem Kant in der
"Kritik der reinen Vernunft" den
ontologischen, den
kosmologischen und den
teleologischen Gottesbeweis abgelehnt hatte, bringt er in der
"Kritik der praktischen Vernunft" einen eigenen Gottesbeweis. Sittliches Handeln sei praktische Gottesbejahung und nicht möglich ohne Glauben an Gott, Freiheit und Unsterblichkeit. Nach Kant fühlen wir, daß es eine Unsterblichkeit gibt, auch wenn wir sie nicht beweisen könnten. Wenn das Sittengesetz in uns fordere, nicht nur nach diesseitigem Glück zu streben, sondern das Gute mit sittlicher Unbedingtheit zu tun, also Glückswürdigkeit zu erreichen, so müsse es einen gerechten Lohn im Jenseits für die sittliche Persönlichkeit geben. Eine populäre Variante dieses Gottesbeweises ist die Auffassung, daß es ohne Gott keinen Unterschied gebe zwischen
Gut und Böse. Es gäbe dann keinen Maßstab, an dem menschliches Verhalten als falsch oder richtig erkannt werden könne. (
Meine Kritik am Moralischen Gottesbeweis.)
Zum
Ontologischen Gottesbeweis: Daß wir einen Begriff oder einen Gedanken haben, sagt noch nichts darüber aus, ob diesem Begriff oder Gedanken auch etwas in dem von uns unabhängigen Sein entspricht. Man kann lange über eine bestimmte Erscheinung reden, feststellen, welche Eigenschaften sie hat, ohne darüber zu reden, ob sie eine von uns Wahrnehmenden unabhängige Existenz hat. Kant bestritt, daß Existenz eine Eigenschaft wie andere sei. (Rot, flüssig, stinkend etc.) - Und noch einen weiteren Gedanken finde ich wichtig: Ich sage z. B., das Sein ist alles, was in irgendeiner Weise existiert, ob ich es kenne oder nicht. (Was in letzter Instanz eine
Hypothese ist, da ich hier das Denken auf das Sein anwende.) Außerhalb des Seins kann es nichts geben, da alles, was es gibt, per Definition Teil des Seins ist. Wenn ich dieses allumfassende Sein nun "Gott" nenne (und dies haben ja viele Philosophen gemacht), dann kann tatsächlich nichts größeres gedacht werden als Gott. Aber gleichzeitig ist der Begriff "Gott" auch soweit gefaßt, daß er jeden Erklärungswert verliert. Wenn das Ganze Gott ist, dann ist nichts darüber ausgesagt, welche Teile des Ganzen (z. B. Materie und Bewußtsein) das Primäre, das Ausschlaggebende sind, ob es eine den Menschen übergeordnete allmächtige, sich wissende Person gibt. Ein solch weiter Gottesbegriff hat genauso wenig Wert, wie der Materiebegriff
Lenins. Ob man nun alles "Gott", oder alles "Materie" nennt, man rettet am Ende nur noch Worte, aber nicht die Weltanschau-ung, die mit diesen Worten ursprünglich mal verbunden war.
Zum
Kosmologischen Gottesbeweis: Zu den ersten drei Varianten: Man könnte die
Hypothese aufstellen, daß das Sein keinen Anfang hat, dann braucht man keinen ersten Beweger, keine erste Ursache und keine erste Notwendigkeit. Wenn man sich die Welt ohne einen Weltschöpfer nicht erklären kann, dann verschiebt man dieses Problem nur um eine Stufe. Wer hat denn diesen Gott bewegt, verursacht, notwendig gemacht? Wenn Gott aus sich heraus sein kann, warum dann nicht die Welt? Zur Kausalität muß noch hinzugefügt werden, daß die durchgängige Determination aller Ereignisse inzwischen sowohl philosophisch wie naturwissenschaftlich von vielen Philosophen und Wissenschaftlern bezweifelt wird. (Sehen Sie dazu auch Willensfreiheit.) Zur vierten Variante: Es muß im Sein (nicht unbedingt im Universum) etwas geben, das der Entropie entgegen wirkt. Dies kann aber auch ein Naturgesetz sein. Oder eine unpersönliche
Weltvernunft. Zur fünften Variante: Wenn ein Gesetzgeber nur aus sich heraus sein kann, warum dann nicht auch die Naturgesetze? (Weitere guten {zum Teil von mir aber auch nicht geteilte} Argumente gegen die fünfte Variante in dem unten verlinkten Vortrag von
Russell.) Zur Kritik der 6. Variante siehe den Artikel zu Werner Gitt bei wikipedia.
Zum
Zum Teleologischen Gottesbeweis und zum
Beweis Gottes aus der Komplexi-tät der Welt: Wie
Hume bin ich der Auffassung, daß dieser Beweis diskutabel, aber nicht zwingend ist. Ich kann mir die Entstehung immer komplexerer Gebilde als ein Ergebnis zufälliger Mutationen mit anschließenden Selektionen auch nicht vorstellen. Wenn man hier aber einen bewußten Schöpfer am Werk sieht, dann stellt sich die Frage, warum es soviele Umwege, soviele Stillstände gab, warum sich über Millionen oder hunderte Millionen Jahre hinweg scheinbar gar nichts höher entwickelt hat. Ganz abgese-hen davon, daß ich die
Liebe und Güte eines solchen Schöpfers in der Natur nicht entdecken kann. Außerdem müßte ein solcher bewußter Schöpfer ja noch viel kompli-zierter sein, als die kompliziertesten Gebilde der Welt. Man verschiebt das Problem, sich die Komplexität nicht erklären zu können, nur um eine Station. Es können hier auch Naturgesetze am Werk sein, die unser Fassungsvermögen übersteigen. Ich habe eine Neigung zum Pantheismus, aber ich bin mir darüber im Klaren, daß, wenn man die Gesamtheit aller Naturgesetze, der uns bekannten und der uns unbekannten, mit einem unpersönlichen Gott gleichsetzt, der Begriff Pantheismus problematisch werden kann. Es gibt einige physikalische Grundtatbestände in unserem Universum, ohne die sich kein Leben hätte entwickeln können. Dort eine Absicht zu vermuten, ist naheliegend, aber nicht zwingend. Näheres in der Anmerkung 77 "Meiner Philosophie".
: Kant fand in sich ein starkes Pflichtgefühl vor, wel-ches das Ergebnis seiner konkreten Natur oder (wahrscheinlicher) das Ergebnis seiner konkreten
Erziehung war. (
. Aber wenn wir aus einem Pflichtgefühl heraus bestimmte Handlungen vollziehen und andere unterlassen, folgt daraus in keiner Weise, daß wir nach unserem
dafür belohnt werden. Bestenfalls können wir das hoffen. Aber jede "gute" Tat, die wir in Hoffnung auf Belohnung tun, ist
, wird nicht mehr aus Pflichtbewußtsein getan. - Was für uns
. Ein Gott ist dafür nicht nötig. (Nähe-res dazu auch in der
".) Im Übrigen weiß jeder Mensch, der sich etwas in der Geschichte auskennt, wieviel Leid und Elend gerade
über die Menschheit gebracht haben. Glaubenskriege, Missionierungen frem-der Völker mit millionenfacher Schlächterei, Inquisition, Hexenverbrennung etc.
kreis. In dem von uns
muß es nicht notwendigerwei-se etwas geben, daß unseren Werten und unsern Glücksvorstellungen entspricht.
ausdrücken. Allen
ist gemeinsam, daß sie auf bestimmten Entwicklungsstufen oder in bestimmten Situationen ähnliche Ideen bzw. Erklärungen entwickeln. Diesen Ideen und Erklärungen muß nicht unabhängig von den Menschen Existierendes entsprechen.
: Daß Gottesglaube immer zu Optimismus, Vertrau-en in die Zukunft etc. führe und die Gottesleugnung zu Pessimismus, Hoffnungslosigkeit etc. ist falsch. Es gibt unter den
gibt, die ein ganz jämmerliches Leben führen. Z. B. weil sie unter der ständigen Selbstunterdrückung ihres Sexualtriebes leiden. Weil sie einmal in einer emotionalen Ausnahmesituation den
beschimpft haben (wie z. B. der Vater von
), was nach christlicher Dogmatik weder im Diesseits, noch im Jenseits jemals verziehen wird. Oder weil sie im wirtschaftlichen Leben nicht so gut zurechtkamen und als
zu sein. (Ich könnte die Liste noch beträchtlich erweitern.) - Aber selbst wenn der pragmatische Gottesbeweis zwingend wäre, wäre damit nicht Gott, sondern lediglich der
an ihn wahr.
Zur Wahrscheinlichkeit Gottes: Daß bedeutende Wissenschaftler an Gott glauben bzw. glaubten, kann zwei Ursachen haben: 1. Klugheit und Dummheit können in einem Menschen dicht beieinander liegen. Ein Mensch kann in bestimmten geistigen Bereichen einen starken Intellekt, eine große analytische Begabung, eine gewaltige Kreativität ha-ben. In anderen Bereichen ist er blind wie ein Maulwurf, weil ihn unbewußte psychische Erkenntnisschranken daran hindern, liebgewordenen Glaubenssätze aufzugeben. 2. Men-schen können auf Grund der Vielfalt, der Komplexität der Welt, der (scheinbar) zwangs-läufigen Entwicklung zu immer höheren Formen, der immer wieder Erstaunen hervorrufen-den vernunftanalogen Entwicklungen im Kosmos zu der Auffassung gelangen, daß Natur-gesetze allein das nicht bewerkstelligen können. (Nähe zum
Teleologischen Gottesbe-weis und zum
Gottesbeweis aus der Komplexität der Welt.) Mir geht es ja genauso! Das ist einer der Gründe, weshalb ich kein Atheist bin, sondern ein
Agnostiker mit einer Neigung zum Pantheismus. Es ist aber ein Unterschied, ob man im Verlaufe von Erfahrungen und kritischem Denken zur Auffassung gelangt, daß ein geistiger oder vernünftiger Kern des Seins wahrscheinlich ist, oder ob man von vornherein an einen Gott, dazu noch an einen ganz speziellen Gott einer bestimmten Religion, glaubt und nachträg-lich versucht, diesen Glauben zu rationalisieren. Der gegenwärtige Papst versucht die Trinität mit der
Quantentheorie zu erklären. Auf die gleiche Weise könnte man aber auch versuchen einen zweieinigen, viereinigen oder zehneinigen Gott zu beweisen. Man kann sich mit Quantenphysik beschäftigen aus allen Blickwinkeln und in alle Verzweigun-gen und Details hinein und wird dabei nie auf einen Dreieinigen Gott stoßen, wenn man nicht schon von vornherein an einen solchen glaubt.
zusammenkommen.
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